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Karl Merkatz (88)
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Interview | Kultur

Mit einem „Hungerleider-Beruf“ zum echten Publikumsliebling

Schauspieler und TV-Star Karl Merkatz (88) im Interview mit „Das Wien“. Der gelernte Tischler freut sich über Auszeichnungen. „Mundl“ ärgert sich nicht über negative Kritiken, versteht Tiere und hat keine Hobbys. Die Theaterlegende glaubt an ein Leben nach dem Tod.

Er erscheint Jahr für Jahr am Silvester-Abend als „Mundl“ Sackbauer TV-Zusehern mit einer fehlgeleiteten Rakete und gilt als einer der beliebtesten Schauspieler Österreichs: Karl MERKATZ (88). Der gebürtige und mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigte Wiener Neustädter wohnt in Irrsdorf bei Straßwalchen (Salzburg). Harald Raffer sprach für „Das Wien“ mit dem gelernten Tischler Karl Merkatz über sein Leben, seine Liebe und seinen Beruf. Und über die Leidenschaften der lebenden Theaterlegende.

Das Wien: Herr Merkatz. Welche Ihrer zahlreichen Rollen in Film, TV oder auf den Theaterbrettern hat Ihnen am besten gefallen?
Merkatz: Das ist eine Frage, die ich kaum beantworten kann. Ich habe natürlich etliche schöne Figuren gespielt – etwa bei „Drei Herren“. Und es gab 20 Jahre lang tolle Rollen in Deutschland.

Das Wien: Für viele Österreicher bleiben Sie der „Mundl“, der Edmund Sackbauer in der TV-Serie „Ein echter Wiener geht nicht unter“. Hat man es dann nicht schwer, eine andere Gestalt anzunehmen?
Merkatz: Durchaus. Im Prinzip war der Mundl eine recht schöne Figur. Man hat ja anfangs nicht daran gedacht, dass die ganze Geschichte so ein Erfolg und eine Serie werden würde. So etwas gab es damals noch gar nicht. Man hat ja nur einen Teil vom Roman von Ernst Hinterberger gedreht. Das habe ich mit dem Regisseur Schwabenitzky besprochen. Der Sackbauer war ganz am Beginn eine sehr negative Figur. Ich habe auch gesagt, dass ich die gar nicht spielen möchte. Reinhard (Schwabenitzky. Anm. d. Red.) meinte dasselbe in Grün. Ich meinte, dieser Wiener kann zwar richtig aufreibend sein, sollte aber nie jemanden schlagen. Die Figur sollte also nicht richtig böse sein. Das haben wir dann umgesetzt. Der Hinterberger hat schließlich gesagt, das gehe auch für ihn in Ordnung. So haben wir die erste Folge gedreht. Die wurde an einem Montag gesendet. Da kam es dann zu einem regelrechten Ansturm beim ORF. Die Telefone liefen heiß – es gab über 1000 Anrufe. Die einen haben sich über so eine Arsch-Sendung fürchterlich aufgeregt, die anderen freuten sich über einen Beitrag, bei dem man auch herzhaft lachen konnte. Daraufhin hat der ORF erklärt: Okay, machen wir halt noch eine Folge oder zwei.

Das Wien: Im „Bockerer“ spielen Sie einen Fleischhauer, der sich gegen den Nationalsozialismus auflehnt – im Film und im Theater. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?
Merkatz: Das war eine sehr schlimme Zeit! Der Nationalsozialismus hat ja 1938 in Österreich Einzug gehalten. Ich war acht Jahre alt, kann also nichts Wesentliches dazu sagen. Meine Mutter war in einem Wäschegeschäft einkaufen und hatte dort noch fünf oder zehn Schilling Schulden. Da sagte die Frau: „Frau Merkatz, Sie brauchen nichts mehr zu bezahlen. Es ist alles zu Ende!“ Und die beiden Frauen haben sich unterhalten und die eine hat geweint. Das war eine Jüdin. Dann sind wir wieder nach Hause gegangen. Dann kam der 11. November. Da sah man, dass Leute in die nahe gelegene Synagoge, wir sagten damals „Judentempel“, hineingetrieben worden sind. Da war die SA in Uniformen da und Leute mit Weißhemden. Ich kannte etliche Leute, auch durchs Einkaufen. Auf einer großen Leiter stand so ein Weißhemd und hat den Davidstern, der oben drüber war, heruntergeschlagen. Da hat mich meine Mutter rasch weggeholt.

Das Wien: Sie sind seit 1956 mit ihrer reizenden Frau Martha Metz verheiratet. Gibt es ein Patentrezept für eine glückliche Ehe?
Merkatz: Das hängt schon auch mit dem Theater und einer ganz bestimmten Form des Lebens zusammen. Als ich das erste Mal beruflich ein Theater besuchen konnte, lernte ich das Fräulein Metz kennen, meine liebe Frau.

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