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Bundesministerin Elisabeth Köstinger
© Ulrich Renner

Aktuell | Interview

Köstinger: "Können stolz auf unseren Zusammenhalt sein"

Es meldeten sich bereits tausende Freiwillige für Altenpflege und Rettungswesen sowie Arbeitskräfte für die Landwirtschaft.

Das Wien: Frau Bundesminister, die landwirtschaftlichen Betriebe brauchen dringend Arbeitskräfte, um unsere Versorgungssicherheit weiter aufrecht zu erhalten. Wie wollen Sie unsere Bauern unterstützen?
Elisabeth Köstinger: Unsere Landwirte brauchen dringend Arbeitskräfte. Bei vielen bisherigen Erntehelfern ist ungewiss, ob sie hier bleiben bzw. kommen können. Viele von ihnen stammen aus dem Ausland und können auf Grund der Grenzschließungen nicht mehr nach Österreich einreisen. Deshalb haben wir die Plattform „www.dieLebensmittelhelfer.at“ ins Leben gerufen. Sie ist ein Instrument, um Angebot und Nachfrage von Arbeitskräften in der Landwirtschaft und in der Lebensmittelverarbeitung zusammen zu bringen. Das läuft sehr gut, tausende Menschen haben sich schon gemeldet. Wir müssen alle Kräfte mobilisieren, damit die Ernte nicht am Feld liegen bleibt und wir auch in Zukunft die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln sicherstellen können.

Das Wien: Experten gehen von einem kurzfristigen Bedarf an mehreren tausend Arbeitskräften im Lebensmittelbereich aus. Werden Sie mit freiwilligen Helfern auskommen?
Köstinger: Wir sprechen im Bereich des Obst- und Gemüseanbaus von ca. 5.000 Erntehelfern, im Bereich der fleischverarbeitenden Betriebe schon von 9.000 Arbeitskräften, die wir brauchen. Der Zuspruch und die Bereitschaft zu helfen sind enorm. Wir vermitteln Tag und Nacht, natürlich auch mit Unterstützung des AMS. Diese Plattform wird auch dazu beitragen, um arbeitslose Menschen wieder in Beschäftigung zu bringen.

Das Wien: Sie sind auch Zivildienstministerin. In den Bereichen Altenpflege, Rettungswesen und Behindertenhilfe fehlt das Personal, weil die Grenzen dicht sind. Zivildiener müssen einspringen. Bisher haben sich 1.400 Freiwillige gemeldet. Wird das reichen?
Köstinger: Inzwischen sind es schon mehr als 2.000 junge Männer, die sich freiwillig für den außerordentlichen Zivildienst gemeldet haben. Dazu haben wir bestehende Zivildiener verlängert. In dieser schweren Zeit müssen wir zusammenhelfen und zusammenstehen. Das sieht zum Glück der größte Teil der Bevölkerung auch so. Schauen Sie sich um – die Hilfsbereitschaft ist enorm, viele wollen einen Dienst an der Gesellschaft leisten.

Das Wien: Als Tourismusministerin haben Sie auch die schwierige Situation in der Tourismuswirtschaft zu managen. Viele Betriebe sind in ihrer Existenz bedroht. Wie können Sie hier helfen?
Köstinger: Wir haben ein großes Maßnahmenpaket für den Tourismus geschnürt. Von Haftungsübernahmen, über die Aussetzung von Rückzahlungen von ÖHT-Krediten bis hin zu Steuerstundungen oder Kurzarbeit. Wir müssen jetzt die Liquidität der Betriebe erhalten, das ist am wichtigsten. Und dafür sorgen, dass sie die Mitarbeiter weiter beschäftigen können, dafür gibt es die Kurzarbeit.

Das Wien: Welche Lehren ziehen Sie aus der aktuellen Krise für die Zeit nach Corona? Wo wird man umdenken müssen und wie stellen Sie sich die Zukunft für Tourismus, Landwirtschaft und Zivildienst vor?
Köstinger: Ich bin stolz auf dieses Land. Auf den Zusammenhalt und den Willen, gemeinsam durch diese Krise zu kommen. Auf die vielen Menschen, die jeden Tag das Land am Laufen halten, von den Bäuerinnen und Bauern angefangen, bis hin zum Gesundheitspersonal, den Postlern und den Mitarbeitern im Lebensmittelhandel. Als Bundesregierung werden wir alles tun, damit wir so gut es geht den größten wirtschaftlichen Schaden abwenden, koste es, was es wolle. Das höchste Gut, das nun zählt, ist die Gesundheit jedes Einzelnen! Darum kämpfen wir und darum brauchen wir auch diese strengen Maßnahmen. Wenn wir gemeinsam durchhalten, dann packen wir das, da bin ich mir sicher!

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