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Edi Finger jun.

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Kein Pardon
Von Edi Finger jun.

Wer ist der Beste?

Immer wenn die Schisaison zu Ende geht, wird im Fernsehen und in der Presse die Suche nach Superlativen der Sportler gestartet. Ist Marcel Hirscher der beste Schifahrer aller Zeiten, ist Lindsey Vonn die Beste? Für mich sind diese Fragen ganz einfach zu beantworten: jede Epoche hat ihre Superstars und jede Epoche hat ihre Besten. Die meisten Rennen hat nach wie vor Ingemar Stenmark gewonnen, bei den Damen Lindsey Vonn, dazu aber ein Hinweis: zu den Zeiten von Annemarie Moser-Pröll gab es noch keinen Super-G, in den 60er Jahren gewann Jean-Claude Killy (Frankreich) den Gesamtweltcup mit damals lächerlichen neun Siegen in drei Bewerben: Abfahrt, Riesentorlauf und Slalom. Toni Sailer hat in den Jahren 1956 und 1958 drei olympische Goldmedaillen und sieben WM-Siege in nur 24 Monaten erreicht. Er war der Beste damals und Hirscher ist der Beste heute – damit ist die Frage beantwortet: Jede Epoche, jede Zeit hat ihren Topstar. Die Öffentlichkeit ist aber von den Medien auf Superlative getrimmt: höher, schneller, erfolgreicher. Vielleicht noch ein anderes Beispiel von den Fußballern – wenn man heute Aufzeichnungen aus den 70er Jahren sieht kommt mir immer ein Schmunzeln über die Lippen: Slowmotion? Es war halt gemütlicher und langsamer, aber damals waren eben die Helden, Krankl, Prohaska, Cruyff, die Besten der Welt. Noch deutlicher wird es bei den Torhütern: Durchschnittsgröße der Goalis 1,95 m. Alle sind hervorragende Kicker und dennoch – Walter Zeman mit 1,82 m oder Michi Konsel 1,85 m, Friedel Koncilia 1,81 m waren zu ihrer Zeit die Topstars. Ich lade jeden Fußballfan ein in ein Museum zu gehen und die Fußballstiefel eines Bimbo Binder aus den 40er Jahren anzusehen! Mit diesem Schuhwerk könnte heute Arnautovic nicht einmal stoppen.

Damit ist, glaube ich alles gesagt. Jede Epoche hat ihre Besten. Einen Allzeit-Besten gibt es nur in der Schwärmerei.

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