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Neos-Klubchef Christoph Wiederkehr
© Neoa

Interview | Politik

„Kämpfen gegen Korruption und die Freunderl­wirtschaft“

Der Wiener Neos-Klubchef Christoph Wiederkehr sieht seine Partei als wichtige Kontrollinstanz im Rathaus. Er will bei der Bezirksverwaltung „abspecken“.

Der 28-jährige pinke Politiker wünscht sich mehr Innovation im Kulturbereich.

In den hellen Räumlichkeiten des Wiener Rathausclubs der Neos im zweiten Stock eines mächtigen Gebäudes in der Landesgerichtsstraße außerhalb des Rathauses sind einige junge Partei-Mitarbeiter mit Routinearbeiten beschäftigt. Christoph Wiederkehr, seit September Klubchef der Neos in Wien, wirkt „locker“ und kann mit seinen 28 Jahren bereits auf eine dreijährige „Dienstzeit“ als Gemeinderat verweisen. Harald Raffer („Das Wien“) sprach mit dem gebürtigen Salzburger über die pinke Oppositionspartei, über Aktionen der fünf Abgeordneten im Landesparlament und über sein gelebtes Engagement für Gerechtigkeit. Eines stellte Wiederkehr gleich klar: „Ich möchte sicher nicht als Politiker in Pension gehen!“

Das Wien: Wie würden Sie die Werte der Neos kurz beschreiben?
Wiederkehr: Wir sind freiheitsliebend und wir leben nachhaltig – wir denken sowohl ökologisch wie ökonomisch auch an die nächste Generation.

Das Wien: Wodurch unterscheiden sich die Neos von den anderen Parteien?
Wiederkehr: Wir sind in Wien eine klare Kontrollpartei. Wir kontrollieren hier die Mächtigen, also die Stadtregierung. Damit sind wir eigentlich die einzige Partei, die auf eine wirksame Kontrolle setzt – auch gegenüber der Bundesregierung mit Schwarz-Blau.

Das Wien: Kritiker behaupten die Neos wären nach dem LIF ein Ableger der Wirtschaftspartei ÖVP mit dem heimlichen Parteichef Haselsteiner….
Wiederkehr: Nein – ganz im Gegenteil! Wir sind natürlich eine völlig eigenständige Partei, die als Bürgerbewegung gegründet worden ist. Da haben Menschen mitgemacht, die der bisherigen Politik nicht mehr tatenlos zusehen wollten. Auch aus unterschiedlichen Gründen. Da waren auch ein paar aus der Volkspartei oder den Grünen dabei, aber auch viele Unabhängige die politisch noch nie aktiv waren. Deshalb sehen wir uns als liberale Zentrumspartei, wo alle mitmachen können, denen ein neues Österreich am Herzen liegt.

Das Wien: Ganz ehrlich – hat Parteichefin Meinl-Reisinger schon die Lücke von Parteimitbegründer Matthias Strolz gefüllt?
Wiederkehr: Es gab danach gar keine Lücke. Wir sind sehr froh, dass diese Übergabe großartig funktioniert hat. Wenn man sich da andere Parteien ansieht, die immer noch mit sich selbst beschäftigt sind. Bei uns kann man das Gegenteil behaupten. Bei uns ging es nahtlos weiter. Beate Meinl-Reisinger ist eine großartige Oppositionspolitikerin. Das hat sie schon in Wien bewiesen. Das zeigt sie jetzt auch auf Bundesebene. Sie bekommt laufend viel Zuspruch.

Das Wien: Kommt es in Wien zu vorzeitigen Neuwahlen?
Wiederkehr: Ich gehe nicht davon aus. Auch Bürgermeister Ludwig erklärt ständig, dass der Wahltermin 2020 eingehalten wird. Wir sind aber als Neos jederzeit bereit, falls vorgezogen gewählt wird.

Das Wien: Mit welchem Spitzenkandidaten werden die Neos in Wien antreten? Sind das Sie?
Wiederkehr: Das ist bei uns noch offen. Das entscheidet bei uns, im Unterschied zu anderen Parteien, ein offenes und transparentes Verfahren. Es gibt ein offenes Bürgervotum, wo jeder mitmachen kann. Dazu kommen Entscheidungen des Vorstandes und der Mitglieder. Das wird dann etwa ein Jahr vor der Wahl entschieden. Ich habe erst kürzlich den Klubvorsitz in Wien übernommen und kandidiere am 8. Dezember als Landessprecher. Die Spitzenkandidatur ist aber nicht daran geknüpft.

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