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Italien: Bleiben die Lieblingsstrände der Österreicher heuer leer?

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Italien: Bleiben die Lieb­lings­strände der Öster­reicher heuer leer?

Nach aktuellem Stand und Rücksprache mit den Tourismusbüros stehen die Chancen für einen gewohnten Badeurlaub sehr schlecht.

Seit vergangener Woche ist Italien abgeriegelt. Italiens Premier Giuseppe Conte hat ganz Italien wegen der Corona-Epidemie zur Sperrzone erklärt. Die Reisefreiheit wurde gestoppt. Lediglich wenige Ausnahmen sind zugelassen.

Wir kennen Zustände wie sie derzeit in Italien Realität sind, bislang nur aus Katastrophen- und Endzeitfilmen aus Hollywood. Blockbuster wie Pandemic, Outbreak oder 12 Monkeys haben mehr oder weniger realistisch Seuchenszenarien und Pandemiekatastrophen vorweggenommen. Allerdings gehen in Hollywood derartige Horrorfilme meist positiv aus. Die Helden setzen sich gegen alle Widrigkeiten und Zweifler durch und retten die Welt. Die aktuelle Bedrohung durch das reale Coronavirus ist aber kein Hollywoodfilm. Der Ausgang steht daher in keinem Drehbuch. Ob der „Corona-Horror“ positiv endet, liegt einzig und alleine bei uns selbst.

Italien hat drastische Maßnahmen ergriffen. In der Lombardei sind innerhalb eines Tages mehr als 100 Menschen am Coronavirus gestorben. Italien ist damit das in Europa am schwersten betroffene Land. "Wir stehen vor einer nationalen Notlage", sagt Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte. Wie ernst Italien die Lage nimmt, beweist, dass nach der Abriegelung der Lombardei auch die wirtschaftlich wichtigsten Städte wie Parma, Modena oder Padua betroffen waren. Nun ist sogar ganz Italien Sperrgebiet. Alle Kinos, Theater, Museen, Sportclubs, Demonstrationen und viele andere Veranstaltungen sind geschlossen oder werden abgesagt.

Die italienische Regierung hat den ungewöhnlichen Beschluss der Abriegelung gefasst, nachdem sich die Zahl der Infizierten binnen 24 Stunden um mehr als 1.200 Personen erhöht hatte. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Maßnahmen begrüßt. Diese seien "mutig" und erforderten "wirkliche Opfer", betonte WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus per Twitter.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Maßnahmen sind derzeit nicht abschätzbar. Klar ist, dass es drastische Verluste im Tourismus, im Kulturbereich und in der Industrie geben wird. Viele Bürger bangen um ihre Jobs. Ebenso fürchtet die Logistik- und Transportbranche Einschränkungen wegen der Quarantäne.

Die italienische Regierung will daher auch ein Paket mit wirtschaftsfördernden Maßnahmen zur Eingrenzung der negativen Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie im Wert von circa zehn Milliarden Euro verabschieden. Rom fordert von der EU-Kommission mehr Flexibilität beim Defizit, sagte der italienische Industrieminister Stefano Patuanelli.

Auch das Gesundheitssystem könnte kippen. So sagt etwa Antonio Pesenti, Leiter der lombardischen Kriseneinheit für Intensivtherapien, im Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera": "Wenn die Bevölkerung nicht begreift, dass man zu Hause bleiben muss, um Ansteckungen zu vermeiden, wird die Lage katastrophal werden. Die Situation ist derart akut, dass die Zahl der Plätze auf den Intensivstationen der Spitäler um das Zehnfache aufgestockt werden müssten." So rechnen die Gesundheitsbehörden damit, dass bis Ende März rund 18.000 Menschen in der Lombardei am Coronavirus erkrankt sein werden.

Es stellt sich die Frage, ob die verhängte Quarantäne bis zum 3. April den gewünschten Erfolg bringen wird. Das Geschäft mit den Osterurlaubern hat sich bereits erledigt. Und die Vor- bzw. Hauptsaison lässt auch nichts Gutes erwarten. Nachdem mittlerweile auch der Handel im Geschäftsleben ausgesetzt wurde, wird Italien für längere Zeit ohne Urlauber auskommen müssen.

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