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Harald Raffer

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Im Zeitraffer
Von Harald Raffer

Freitod

An der Kante des Lebens ist loslassen manchmal einfacher, als sich festzukrallen“, schreibt der Schweizer Schriftsteller Markus Weidmann und spielt dabei auf den Freitod an. Diese Art des Sterbens gilt in unserer aufgeklärten Gesellschaft noch immer als finsteres Tabuthema, als eine Todesart, über die man nicht spricht.

Dabei nehmen sich allein in Österreich jährlich etwa 1.200 Menschen in ihrer Verzweiflung das Leben. Sie sind, wie es so schön heißt, ihres Daseins müde geworden und flüchten aus unserer Welt. Da wir Statistiken führen, gibt es für Selbstmorde genaue Zahlen – so wählen 14,4 Personen pro 100.000 Einwohner den freiwilligen Abschied. Jetzt, wo wir dem goldenen Herbst mit seinen gespenstischen Nebeltagen zusteuern, nehmen Selbsttötungen zu. Die Suizidhäufigkeit steigt mit dem Alter. Zwischen 15 und 29 gilt Suizid allerdings als zweithäufigste Todesursache. Mit anderen Worten – es sterben in zwölf Monaten drei Mal so viel Menschen durch die eigene Hand, als bei Verkehrsunfällen.

Die meisten jener Verzweifelten, die zum allerletzten Mittel greifen, sind Angehörige des „starken Geschlechtes“, also Männer. Man geht auch von rund 30.000 Suizidversuchen pro Jahr aus. Die häufigste Todesart ist das Erhängen, gefolgt von Sturz in die Tiefe und Gift. Negativer Spitzenreiter in Österreich bleibt das Bundesland Kärnten. Seit Mitte der 80er-Jahre geht die Zahl insgesamt leicht zurück, während Corona ebenfalls. Tatsächlich sind Angehörige nach so einem Todesfall stets massiv betroffen, machen sich Vorwürfe oder wollen die Tat verdrängen.

Die Motive sind vielfältig. Von Schulden, unglücklicher Liebe, Einsamkeit im Großstadtdschungel, Jobverlust bis zur Krankheit. Man sollte aber sein Leben nie leichtfertig wegwerfen. Und wir alle müssten Menschen in schweren Krisen klarmachen, dass es sich doch zu Leben lohnt und es für jede Notlage eine menschliche Lösung gibt.

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