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Harald Raffer

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Im Zeitraffer
Von Harald Raffer

Kein Respekt

Respekt – mit diesem Zauberwort ist eigentlich alles gesagt. Wenn die gegenseitige Wertschätzung fehlt, sind Konflikte vorprogrammiert. Seit Wochen wird nämlich über einen ungeheuren Vorfall in der Ottakringer HTL berichtet. Bekanntlich hatten gewalttätige Schüler einen völlig überforderten Lehrer attackiert, geschupft und körperlich bedroht. Der „Pädagoge“ rastete aus und spuckte einen der Jugendlichen mit Migrationshintergrund an. Ein Handy-Video wurde ins Netz gestellt und schnell zum „Negativ-Bestseller“. Heutzutage wird ohnehin beinahe alles mit Handys festgehalten. Täter brüsten sich mit ihren Vergehen und überführen sich damit selbst. Mittlerweile ist klar: Der Vorfall in der HTL ist kein Einzelfall, der Lehrerjob in höheren Klassen kein Honigschlecken. Allein im Vorjahr gab es 845 Fälle von Gewalt an Österreichs Schulen. Angriffe auf Lehrer nehmen zu. Von Cybermobbing über offene Feindseligkeiten bis hin zu Schlägen. Eines ist klar – die Pädagogen können eine fehlende Erziehung nicht ausgleichen. Wenn beide Eltern berufstätig sind und für die Kinder kaum Zeit bleibt, kann auch die Schule keine Wunder wirken. Und Schüler spüren es, bei welchem Lehrer sie aufmucken und rebellieren können. Es gibt intelligente Professoren, die eine Klasse nicht führen können. Und es gibt Pädagogen, die „locker“ ihren Lehrstoff vortragen – ohne schwätzende Mädchen oder Burschen. Das hat wenig mit Autorität zu tun, sondern mit Respekt. Wenn in der HTL Wien Donaustadt ein Schüler aus „Spaß“ einen Mistkübel auf einen Lehrer wirft, fehlt die Wertschätzung. Minister Faßmann führt jetzt „Auszeit-Gruppen“ für Problemschüler ein und will Pädagogen zu Streitschlichtern ausbilden. Junge Störenfriede sollen nach einem „Timeout“ wieder in den Klassenverband eingegliedert werden. Das ist eine Möglichkeit. Doch ohne Respekt auf beiden Seiten hilft auch diese Maßnahme nichts.

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