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Harald Raffer

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Im Zeitraffer

Göttlicher Heiland?

Zunächst zu einer doch erfreulichen Meldung: Unter allen EU-Regionen weist Wien die wenigsten tödlichen Verkehrsunfälle auf! Laut Eurostat-Daten aus dem Jahr 2016 gab es in der Region Wien nur 10 Verkehrstote pro einer Million Einwohner. Im Ländervergleich liegt Österreich auf Platz neun mit 50 Verkehrstoten pro Million Einwohner und damit im EU-Durchschnitt. Freilich ist jeder Tote im Bereich der Mobilität noch immer zu viel! Jetzt zu einer weniger erfreulichen Geschichte mit Todesfolge: Vor dem Wiener Spital „Göttlicher Heiland“ ist kürzlich ein 63-jähriger Wiener Trafikant nach einer plötzlichen Herzattacke zusammengebrochen und wurde zunächst von den Klinik-Ärzten – für die natürlich die berühmte Unschuldsvermutung gilt – nicht sofort versorgt! Das klingt nach katastrophaler Balkan-Mentalität oder brutalen US-Zuständen, wo man nur mit der gültigen Versicherungskarte in der Hand im Emergency-Room entsprechend gut behandelt wird. Angeblich wurde der betroffene Patient erst nach Drängen einer Passantin von den Spitalsärzten mit dem heilsbringenden Namen des Erlösers untersucht. Nach der ersten Auskunft des Portiers dürften Mediziner das Krankenhaus gar nicht verlassen. Ein Ärztekammer-Jurist bestätigte sogar, dass sich Ärzte erst einmal versichern müssten, ob es zunächst keinen dringenden Notfall im eigenen Haus gäbe. Schließlich wurde der Patient doch noch medizinisch versorgt und mit der Rettung ins Wilhelminenspital gebracht, wo er bedauernswerterweise verstarb. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung gegen unbekannt. Wenn schon ein medizinischer Notfall – dann hoffentlich gleich vor einem Krankenhaus oder einer Ärztezentrale? Glaubt man. Stimmt leider nicht! Es klingt nach einer billigen Ausrede, dass Mediziner in einem Notfall den Arbeitsplatz nicht verlassen und vor der Haustüre Menschen retten dürfen! Was ist eigentlich mit dem Hippokratischen Eid und was ist mit einer möglichen „unterlassenen Hilfeleistung“? Im „Göttlichen Heiland“ gibt es allerdings keine zentrale Notaufnahme, deshalb musste der Patient noch in ein anderes Krankenhaus überstellt werden. Für den betroffenen Trafikanten kam aber jede Hilfe zu spät. Jetzt soll der tragische Fall von Experten genau analysiert werden. Lieber Gott! Oder anders ausgedrückt – lieber göttlicher Heiland, bitte hilf in solchen Fällen wirklich! Vielleicht lässt sich das Spital sogar umtaufen? Oder es entfernt diese Hinweise im Internet: „Gesundheit kommt vom Herzen. Das Spital steht für alle Patienten offen!“

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