Aktuelles

Asfinag-Vorstandsdirektor Mag. Hartwig Hufnagl im Gespräch mit „DAS WIEN“
© Ulrich Renner

Aktuell | Interview

2018 erzielte die Asfinag einen Überschuss von 824 Mio. Euro.

Vorstandsdirektor Mag. Hartwig Hufnagl über die Pläne der Asfinag für das restliche Jahr 2019.

Das Wien: Im vergangenen Jahr hat sich das Verkehrsaufkommen in Österreich um durchschnittlich 2,8 Prozent erhöht. Bei LKW und Bussen sogar um 5,6 Prozent. Wie reagiert die ASFINAG auf diese Verkehrszunahme?
Hufnagl: Wir setzen an mehreren Hebeln an, um Lösungen für das steigende Mobilitätsbedürfnis anzubieten. Der Neubau von Strecken wie etwa Lobautunnel oder Linzer Westumfahrung ist nur eine Möglichkeit. Wir wollen die Pannenstreifen bei Überlastung auch bei Salzburg oder Innsbruck öffnen. Mit unseren Traffic Managern in Wien oder Linz beseitigen wir Störungen durch Pannen oder Unfälle immer schneller. Intelligente Verkehrssteuerung durch unsere Überkopfanzeigen oder Echtzeit-Information zum Beispiel mit unserer App sind auch wichtige Faktoren. Zunehmende Digitalisierung wird auch helfen: Wir werden heuer entlang der Westautobahn europaweit den ersten Echtbetrieb haben, bei dem wir über WLAN-Technologie direkt in die Autos Verkehrsinformationen einspielen. Wenn Fahrzeuge und Infrastruktur Informationen zu Staus, Unfällen oder Wetter miteinander tauschen, wird auch der Verkehr flüssiger. Gut und rechtzeitig informierte Fahrer sind auch sichere Fahrer.

Das Wien: Bis 2024 will die ASFINAG 8,1 Milliarden Euro in das österreichische Autobahnen und Schnellstraßennetz investieren. Wo werden hier Ihre Schwerpunkte liegen und welche neuen Verkehrsverbindungen planen Sie?
Hufnagl: Neben einer optimalen Erhaltungsstrategie geht es uns beim Neubau um mehr Kapazitäten, mehr Verkehrssicherheit und um die Entlastung der Menschen vom Verkehr. Große Projekte sind die A 26 Linzer Autobahn mit einer neuen Donaubrücke oder die S 7 Fürstenfelder Schnellstraße von der Südautobahn bis zur ungarischen Staatsgrenze. Wir bauen einen weiteren Abschnitt der A 4 Ostautobahn dreispurig aus und unser milliardenschweres Tunnelsicherheitsprogramm ist in der Zielgeraden. Mit dem Abschluss des zweiröhrigen Vollausbaus des Gleinalmtunnel ist Ende des Jahres die gesamte Pyhrnachse ohne gefährliche Gegenverkehrsabschnitte befahrbar.

Das Wien: Klimaschutz ist derzeit in aller Munde. Welche Maßnahmen wird die ASFINAG hier setzen? Und wie stehen Sie zum Thema E-Mobilität?
Hufnagl: Wir möchten den Umstieg auf alternative Antriebe aktiv unterstützen. Auf unserem Netz haben wir das Ziel eines flächendeckenden Angebots an E-Tankstellen schon erfolgreich umgesetzt, weitere Stromtankstellen werden folgen. Auch innerhalb unseres Fuhrparks erhöhen wir sukzessive den Anteil an E-Autos, begleitet durch den Ausbau der Lade-Infrastruktur an allen ASFINAG Standorten.

Das Wien: Im vergangenen Jahr hat die ASFINAG einen beachtlichen Jahresüberschuss von 824 Millionen Euro erwirtschaftet. Wird dieses Ergebnis Auswirkungen auf den Vignettenpreis haben, sprich wird die Vignette billiger?
Hufnagl: Die Verkehrszuwächse bringen uns aktuell stabile Einnahmen. Die Festlegung des Vignettenpreises, der jährlich an den Verbraucherpreis-Index angepasst wird, ist und bleibt so wie die Höhe der Lkw-Maut aber eine politische Entscheidung.

Das Wien: Wissen Sie schon, was die Vignette im kommenden Jahr kosten wird und wofür werden Sie diese Einnahmen vorrangig verwenden?
Hufnagl: Der neue Preis wird auch heuer wieder nach dem Sommer bekannt gegeben. Aber schon jetzt steht fest, dass wir die Einnahmen wieder in unser Netz investieren, also im Sinne unserer zahlenden Kundinnen und Kunden verwenden.

Das Wien: Apropos Vignette. Wer legt eigentlich fest, welche Farbe sie hat und weiß man schon wie bunt sie im kommenden Jahr wird?
Hufnagl: Die Farbe ist in der Regel eine Entscheidung des Managements. Auch da bitte ich aber noch um etwas Geduld. Ein Tipp dazu: immer mehr Kundinnen und Kunden entscheiden sich für die Digitale Vignette, die es auf www.asfinag.at oder über unsere APP zu kaufen gibt. Da spielt die Farbe dann keine Rolle mehr.

Das Wien: Ein brennendes Thema in Wien ist der Lobautunnel, den die Grünen seit Jahren verhindern. Jetzt ist das Genehmigungsverfahren für die S 1 Wiener Außenring Schnellstraße samt Tunnel im Finale. Wann rechnen Sie mit dem Ergebnis, und was bringt der Tunnel für Wien?
Hufnagl: Abhängig vom Verfahren wollen wir noch heuer oder im Frühjahr 2020 erste Baumaßnahmen setzen. Die S 1 mit dem Lobautunnel ist die optimale Verkehrslösung. Sie schließt die Umfahrung der Bundeshauptstadt und entlastet die Tangente. Der Verkehr wird auf einer Schnellstraße um Wien herum geführt statt mittendurch. Gemeinsam mit der S 8 Marchfeld Schnellstraße entsteht so ein wirkungsvolles System für die gesamte Ostregion. Für tausende Pendler und Anrainer, etwa in den Marchfeld-Gemeinden und der Donaustadt, bringt das eine klare Verbesserung der Lebensqualität.

› zum Artikel

Zurück