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Eine der ältesten Hotelinstitutionen – nämlich das Hotel Sacher – musste letzte Woche 140 Mitarbeitern die Kündigung aussprechen.

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Für Wiens Wirtschaft steht die Ampel auf dunkelrot

Eine der ältesten Hotelinstitutionen – nämlich das Hotel Sacher – musste letzte Woche 140 Mitarbeitern die Kündigung aussprechen.

In der vergangenen Woche haben Deutschland, die Schweiz, Belgien ... Wien wegen der steigenden Coronazahlen auf die Liste der Corona-Risikogebiete gesetzt. Ab nun gilt für Einreisende und Rückreisende aus Wien eine Quarantänepflicht, wie die Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtete. Daraufhin haben zahlreiche Schweizer ihre geplanten Wienurlaube gestrichen. Sehr zum Leidwesen der Wiener Gastronomie, Hotellerie und dem Einzelhandel.

Wenn jetzt schon das Flaggschiff der Wiener Beherbergungsbetriebe, das weltberühmte Hotel Sacher, 140 Mitarbeiter kündigt, dann kann man sich lebhaft vorstellen, wie es den anderen weniger bekannten Betrieben geht. Zahlreiche Wiener Hotels sind nämlich seit dem Lockdown im März immer noch geschlossen und arbeiten lediglich mit einer Rumpfmannschaft in der Verwaltung. Ein Beispiel dafür ist etwa das beliebte Hotel Erzherzog Rainer im vierten Bezirk. Grund dafür: Es fehlen die Gäste.

War für viele Betriebe der Sommer mit relativ wenigen Corona-Infizierten ein Silberstreif am Horizont, der auf eine Wiederbelebung des Städtetourismus im Herbst hoffen ließ, so hat die Bundesregierung diese Hoffnung mit ihren undurchschaubaren Ampelspielchen vollends zunichte gemacht. „Wir hätten gleich skeptisch sein sollen, als man uns erklärt hat, dass eine Ampel vier Lichter hat“, sagt etwa ein betroffener Hotelier. Durch die Orange-Schaltung Wiens wird es wohl keinen Herbsttourismus geben. Das bedeutet, dass zahlreiche Hotels vorerst nicht aufsperren werden. Einige werden wohl für immer geschlossen bleiben. Das heißt, sie werden in die Pleite schlittern. Und mit ihnen natürlich auch die zahlreichen Mitarbeiter, deren Jobaussichten so schlecht wie noch nie sind. Denn ohne Hotels keine Jobs in der Hotellerie.

Nicht besser sieht es in der Gastronomie aus. Hat man sich hier noch mit Freiluftsitzplätzen in den Schanigärten über den Sommer retten können, so wird es in der kalten Jahreszeit wohl kritisch werden. Daran trägt die Bundesregierung mit ihren willkürlichen Corona-Maßnahmen die Hauptschuld. Niemand weiß, ob die traditionellen Martinigansessen, die zahlreichen Firmenweihnachtsfeiern, oder die beliebten Faschingsfeste stattfinden werden können. Das sind allerdings genau jene Events, von denen die Gastronomie lebt. Statt einem Herumgeschwurbel bei Pressekonferenzen und planlosen Ampelspielchen, sollte die Regierung hier klare Regelungen treffen, auf die man sich auch verlassen kann und mit denen man planen kann. Anderenfalls werden die Wienerinnen und Wiener im Herbst nicht viel zu feiern haben, denn dann werden sie arbeitslos sein.

Es stellt sich die ernsthafte Frage, warum sich Österreich gleich drei Ministerinnen hält, die mit ihren Ressorts für diese Bereiche verantwortlich zeichnen – alle übrigens aus der ÖVP. Da wäre einmal Tourismusministerin Elisabeth Köstinger, weiters die Bundesministerin für den Wirtschaftsstandort, Margarete Schramböck und Christine Aschbacher, ihres Zeichens Bundesministerin für Arbeit. Auf dem Papier möchte man meinen, dass Österreich hier gut aufgestellt wäre. Allerdings fallen die drei Damen, in Anlehnung an eine beliebte US-Fernsehserie, eher als „Drei Engel für Basti“, denn als Retter der österreichischen Tourismuswirtschaft auf. Hier fehlen klare Ansagen, Visionen und Krisenpläne für die Zukunft. Denn der Tourismus als wichtigster Wirtschaftszweig des Landes ist alternativlos für dessen Mitarbeiter und Unternehmer. Damit unterscheidet sich der Tourismus massiv von der Bundesregierung – zu dieser gäbe es nämlich sehr wohl Alternativen. -D. K.

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