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Der junge Edi Finger mit Franz Klammer und Niki Lauda.
© Edi Finger

Interview | Sport

„Die Sport­bericht­erstattung ist heute viel brutaler geworden“

ORF-Legende und „Das Wien“-Sportchef Edi Finger jun. feiert den 70. Geburtstag. Der Dancing-Star erinnert sich an Sportgeschichten.

Das Wien: Wie oft wirst Du noch nach dem legendären Ausspruch Deines Vaters „i wer‘ narrisch!“ gefragt – und wann und warum hat er das gesagt?
Edi Finger: Der Papa ist im Rahmen der Fußballweltmeisterschaften 1978 in Argentinien beim dritten Tor von Hans Krankl gegen Deutschland „narrisch“ geworden. Nach 47 Jahren hat Österreich über Deutschland gesiegt! Mehr als nur ein normaler Sieg im Fußball. Es war ein bissl David gegen Goliath. Auch heute noch werde ich fast täglich über diesen Ausspruch meines Vaters befragt.

Das Wien: Wie lange warst Du ORF-Sportreporter? Was waren Deine journalistischen Höhepunkte, gab es auch einen Tiefpunkt?
Edi Finger: Ich war 46 Jahre lang Sportreporter im ORF. Unseren großen Traum, vom Papa und von mir, 100 Jahre Sportreporter Edi Finger, konnten wir aber leider knapp nicht verwirklichen. Mein Sohn Edi ist Golfprofi geworden und nicht Sportreporter. Sonst wäre sich das locker ausgegangen.
In jedem Berufsleben gibt es viele Höhepunkte, aber leider auch Tiefpunkte. Höhepunkte sind klar: die Triumphe österreichischer Sportler in fast fünf Jahrzehnten meiner Tätigkeit. Tiefpunkt war der Todessturz unserer Freundin, der damals 26-jährigen Super-G Weltmeisterin Ulli Maier in Garmisch-Partenkirchen. Ich habe den Todessturz der Ulli, mit der wir persönlich befreundet waren, live in Ö3 übertragen müssen. Es waren schreckliche Minuten, die ich niemals vergessen werde.

Das Wien: Wie beurteilst Du die heutige Sportberichterstattung über alle Sportarten hinweg – in Printmedien und in den elektronischen Medien?
Edi Finger: Durch die sogenannten sozialen Medien hat sich die Berichterstattung grundsätzlich geändert. Fast alle Ereignisse werden live übertragen, schneller, exklusiver und teilweise auch brutaler ist die Sportberichterstattung geworden. Zu Beginn meiner Reporterkarriere ist man zu einem Skirennen gefahren, nach dem Rennen gab es ein gemeinsames Essen mit den Athleten, ein Plauscherl und dann wurde die Heimreise angetreten. Heute werden die Sportstars via Privatjet eingeflogen. Der Schmäh ist deutlich weniger geworden! Aber auch im Fußball war es üblich, dass Reporter und Kicker in einem Hotel gewohnt haben. Heute ist das alles verpönt. Die Sportler werden von den Funktionären mit Gewalt von den Medien getrennt.

Das Wien: Du bist 70 Jahre jung. Würdest Du wieder eine Karriere als Sportreporter einschlagen?
Edi Finger: Die Sportreportage ist mein Leben. Ich kann mir gar keinen anderen Beruf vorstellen. Kurze und klare Antwort: ganz sicher wieder Sportreporter!

Das Wien: Hand aufs Herz - von welchem Fußballclub bist Du am meisten begeistert oder ein echter Fan?
Edi Finger: Es gibt einige Sportvereine, die mir in meinem Reporterleben so richtig ans Herz gewachsen sind. Von meiner Kindheit weg, war ich immer ein echter Grün-Weißer Fan. Ich werde nie vergessen, wie Gerhard Hanappi bei uns privat des Öfteren zu Gast war. Ich habe als Knirps Torhüter Walter Zeman bewundert, also von klein auf Rapid. International war ich immer Anhänger des englischen Fußballs.

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