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Suzan Aytekin von „Das Wien“ im Gespräch mit Wiener-Linien-Chef Günter Steinbauer.
© Ulrich Renner

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„Die meisten, die schwarzfahren, sind professionelle Schwarzfahrer!“

„Das Wien“-Gespräch mit Wiens oberstem Chauffeur, Wiener Linien Boss Günter Steinbauer. 966 Millionen Fahrgäste im Vorjahr.

Die Wiener Linien transportierten im Vorjahr 966 Millionen Fahrgäste. Im nächsten Jahr will man die Milliarden-Marke knacken. Suzan Aytekin („Das Wien“) sprach mit Dipl. Ing. Günter Steinbauer über Fahrpreise, Schwarzfahrer und den Ausbau der Öffis.

Das Wien: Sind die Wiener Linien eine sozialdemokratische Errungenschaft? Wien war ja doch lange Zeit komplett rot, dann in einer schwarz-roten und nun in einer rot-grünen Koalition.
Günter Steinbauer: Verkehrsunternehmen gibt es auch in Städten, die in anderen Couleurs regiert werden. Der öffentliche Verkehr ist an sich auf jeden Fall eine soziale Errungenschaft, weil die Leistbarkeit, die Bewegung, dass jeder quasi sich frei in der Stadt bewegen kann, das ist auch eine soziale Aufgabe. In Wien haben wir schon durch die lange Regierungsperiode der Sozialdemokraten hier natürlich besonders gute Bedingungen gehabt, das auch besser zu entwickeln. Wir sind die einzige westlich orientierte Großstadt, wo wir fast an der 40 % Marktanteilsgrenze kratzen. Das ist schon das Ergebnis der Politik, nämlich die Entscheidungen in den 60er, 70er Jahren die U-Bahn auszubauen und nicht nur Busse und Straßenbahnen zu machen, weil es eben die starken Lebensadern sind. Die U-Bahn befördert heute mehr als die Hälfte unserer Fahrgäste. Auf den öffentlichen Verkehr und die Leistbarkeit zu setzen, ist schon bei uns besonders ausgeprägt - im Verhältnis auch zu vergleichbaren deutschen Städten.

Das Wien: 2,5 Millionen Fahrgäste werden jeden Tag befördert. Geht denn da doch mehr?
Günter Steinbauer: Da geht in den Stoßzeiten nicht mehr viel mehr, da sind die Fahrzeuge entsprechend voll, die eine oder andere Intervallverdichtung könnte man vielleicht noch machen, drum haben wir ja dieses Projekt des Linienkreuzes mit U2 und U5. Wir haben einige Linien, die an der Überlastungsgrenze sind, wie die U6 in Teilbereichen, die U3 und einige Straßenbahnlinien wie die 6er, 43er usw. Dieses Linienkreuzschema soll genau diese roten Ampeln zukunftsfit beseitigen. Ich wüsste nicht, wo eine U7 dann vielleicht noch fahren sollte.

Das Wien: Seit 1.1.2018 kostet die Jahreskarte bei Einmalzahlung 365 €. Wird es da auch einmal zu einer Erhöhung kommen? Die Zahl 365 wäre ja vom Marketingaspekt ganz nett.
Günter Steinbauer: Ja, in Schaltjahren ist es nicht einmal 1 € pro Tag. Also in absehbarer Zeit gibt es da auch keine Erhöhungen, es gibt ja auch ein offizielles Koalitionsübereinkommen, wo das auch vom Eigentümer so festgeschrieben ist und da gibt es jetzt keine Diskussion.

Das Wien: Die Senioren-Jahreskarte können Invaliditäts- Berufsunfähigkeits- und Frühpensionisten nicht beziehen. Ist das nicht eine Art Diskriminierung, obwohl es einen PVA-Bescheid gibt, der ersichtlich macht, dass sie dauerhaft invalid sind und somit nicht ins Arbeitsleben zurückkehren können?
Günter Steinbauer: Ich glaube das ist ein Missverständnis. Die Senioren-Jahreskarte orientiert sich nicht am Pensionsbescheid, auch nicht am regulären, sie orientiert sich nur am Alter. Und das ist einfach die Festlegung, die wir getroffen haben, dass man ab einem gewissen Alter als Senior weniger bezahlt, auch in der Diskussion mit dem Eigentümer, dass man der älteren Generation so anbieten will.

Das Wien: Mindestsicherungsbezieher erhalten den Mobilpass und können somit eine sehr günstige Monatskarte erwerben. Menschen, die bereits in Pension sind, auch wenn sie das reguläre Pensionsalter nicht erreicht wurde, haben ja nicht mehr Budget, im Gegenteil, müssen oftmals um Ausgleichszulage ansuchen, um auf den selbigen Richtsatz wie bei der Mindestsicherung zu gelangen. Ist geplant dieser Gruppe irgendwie entgegen zu kommen?
Günter Steinbauer: Von uns ist sicherlich nichts geplant, weil das wie der Sozialpass ja eine Angelegenheit der Stadt, des Eigentümers oder des Sozialamtes ist. Wenn die uns den Ausgleich dazu geben – weil ich krieg ja auch sonst von der Stadt den Tarifentgang, wenn die von dort irgendeine Begünstigung bekommen – dann bekommen sie von uns einen günstigen Fahrschein. Grundsätzlich ist es Aufgabe der Sozialfürsorge und Politik.

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