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„Grünen-Urgestein“ Werner Kogler im Gespräch.
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Aktuell | Interview

Die Grünen haben den Menschen gefehlt

Zuerst wollen wir den Wiedereinzug in den Nationalrat schaffen, dann schauen wir weiter.

Kaum hat er die EU-Wahl geschlagen, findet sich Werner Kogler (57) erneut in der Rolle des Spitzenkandidaten wieder. Denn die Wahl im Mai absolvierte der nach den dunklen Zeit 2017 als Parteichef eingesprungene Steirer höchst erfolgreich. Kogler - ein Magister der Volkswirtschaft - ist Grünes Urgestein. In den 1980er-Jahren war er Gründungsmitglied der steirischen Partei, bis 2014 ihr Landessprecher. 1999 zog er in den Nationalrat ein, war Leiter des Rechnungshofausschusses, Budget- und Finanzsprecher, stellvertretender Klub und Parteichef unter Eva Glawischnig. Nach dem Debakel 2017 sanierte er die grüne Bundespartei, seit November 2018 ist er Bundessprecher.

Das Wien: Herr Kogler, vor knapp zwei Jahren waren die Grünen nach der Wahlniederlage am Boden. Aktuell sehen die Dinge wieder anders aus. Wie haben sie diesen Wandel geschafft?
Kogler: Manchmal hat man das Gefühl, dass die Kalendersprüche doch etwas Wahres haben: die Krise als Chance. Dem würde ich jetzt nicht unbedingt widersprechen. Wir haben die Grünen aber nicht neu erfunden, sondern zu ihren programmatischen Wurzeln zurückgeführt. Klima-, Natur- und Umweltschutz, Wirtschafts- und Gerechtigkeitsfragen. Und viele Menschen haben gemerkt, die Grünen fehlen im Nationalrat.

Das Wien: Warum haben die Grünen denn gefehlt im Nationalrat?
Kogler: Wir Grüne kämpfen für eine saubere Umwelt und saubere Politik. Und wir treten an, um in den Nationalrat zurückzukehren, damit eben Transparenz, Klimaschutz, Gerechtigkeit, Bekämpfung der Kinderarmut wieder ins Zentrum rücken. Ich habe mich mit meiner eigenen Entscheidung nicht ins Europäische Parlament zu gehen auch sehr schwergetan. Wir haben nicht nur die Grünen Wählerinnen und Wähler befragt, sondern auch die Personenkomitees, die mich unterstützt haben, die sind schon auch repräsentativ für die Vorzugsstimmen. Das Ergebnis war mit schließlich 95 % eindeutig, dass ich die Grünen zurück in den Nationalrat führen soll. Diesen Auftrag nehme ich an.

Das Wien: Klimaschutz ist aktuell in aller Munde, eine dankbare Ausgangsituation, oder?
Kogler: Im Moment gibt es eine gewisse Welle, die hilft uns, ja. Und ich lass mir ja gern nachsagen, dass wir diese Welle auch reiten können. Und über Klimaschutz wird gerne viel geredet, wenn es ums Tun geht, sieht die Sache meistens schon anders aus. Und auch wenn die aktuelle Lage keine schlechte ist, noch haben wir nichts geschafft. Für die Grünen geht es diesmal um alles, den Wiedereinzug wollen wir unbedingt schaffen. Dafür werden wir jetzt rennen.

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