Aktuelles

Naschmarkt 1910 Standbau
© Marktamtsmuseum

Geschichte

Die Geschichte des Wiener Naschmarktes

Auszug aus „Die Geschichte des Naschmarktes“ von Beppo Beyerl, Juni 2011, ISBN 978-3-902693-22-8

Damals wurde in Wien ein gewisser Franz Grillparzer geboren, der es später bis zum Archivleiter der k.k. Hofkammer – des späteren Finanzministeriums – bringen sollte. Und der als Spitzenbeamter sozusagen im Nebenberuf eine Unzahl von heute noch aufgeführten Dramen schrieb. Und dann passierte noch etwas am kalten 5. Jänner des Jahres 1791: In der Wiener Marktordnung wird erstmals ein Markt ausser dem Kärntnerthor vor dem fürstlich Starhembergischen Freyhaus erwähnt.

Erlaubt war der Verkauf von Mehl, Taubenfutter und alle Gattungen Hülsenfrüchte. Und einen Tag später, also am 6. Jänner 1791, da fand die letzte große Treibjagd im Wiener Prater statt, aber die gehört jetzt wirklich nicht zu unserem Thema. Also kehren wir schnell zurück zu jenem Markte vor dem fürstlichen Freihaus. Da nicht alle Zeitgenossen mit der Existenz des Freihauses vertraut sind: Das Freihaus war ein großräumiger Gebäudekomplex zwischen der Wiedner Hauptstraße und dem damals noch frei fließenden Mühlbach.

Es bestand aus 31 Stiegen, sechs Haupthöfen sowie 360 Wohnungen. Bekannt wurde ein kleines Gartenhäuserl im großen Komplex, weil ausgerechnet in diesem zauberhaften Gartenhäuserl Wolfgang Amadeus Mozart seine „Zauberflöte“ komponierte. Auf Druck eines gewissen Emanuel Schikaneder, der ihn dort weniger oder mehr eingesperrt hatte, wie manche Zeitgenossen vermuteten. Und die „Zauberflöte“ wurde dann auch im „Freihaustheater“ am 30. September des Jahres 1791 uraufgeführt. Der Direktor des Freihaustheaters hieß – dreimal dürfen Sie raten – Emanuel Schikaneder. So, und jetzt wieder zurück zu unserem Markt, der natürlich bereits vor seiner ersten urkundlichen Erwähnung seine Zelte und Schirme vor dem Freihaus aufgeschlagen hatte – als Entstehungsjahr wird allgemein das Jahr 1774 angenommen. Sein Wachstum dürfte recht rasch erfolgt sein – erinnern Sie sich noch an den anno 1791 erlaubten Verkauf von Taubenfutter? Denn schon 1792 verlautbarte die Marktordnung: Für Obst, Kraut und Rüben, welches auf Wägen hieherkommt, bleibt der Platz vor dem Kärntnerthore vor dem Freihause angewiesen.

Und einen vernünftigen Namen soll er ja auch erhalten, weil „Markt vor dem Kärtnerthore“ im Volksmund schwer über die Zunge zu bringen war. Da erkennt man, wie leicht man sich täuschen kann. Weil kommt natürlich nicht vom Naschen, der Naschmarkt, was ja auch anbetrachts des Taubenfutters ein bisschen lächerlich wäre, sondern leitet sich von der „Aschn“ ab. Weil der ursprüngliche Name lautete schlicht und einfach Aschenmarkt. Wie gesagt, wie leicht man sich täuschen kann. Nein, nicht wegen der Asche. Der war die Wiener Bevölkerung nicht sehr zugeneigt, seit Ferdinand Raimund ab 1826 unzählige Male seinen Refrain gesungen hatte: Wie lang steht’s dann noch an, bist auch ein Aschenmann! Ein Aschen! Ein Aschen! Es gab sehr wohl eine zweite Bedeutung: Die Asch war nichts anderes als ein hölzerner Eimer, mit dem vor allem die Milch ausgeschenkt wurde, und das Holz des Eimers, das war ein Eschenholz.

Laut Sprachhistorikern könnte sich indes der Aschmarkt auch von einem Fisch namens Äsche herleiten, laut Lokalhistorikern von einem vor dem Freihaus situierten Mistplatz – sprich „großräumiges Aschengelände“, doch gilt die Herleitung vom eschernen Milcheimer als relativ wahrscheinlich. Und der Wiener Wortwitz machte bereits im 19. Jahrhundert aus einem Aschmarkt einen Naschmarkt.

Und jetzt sind wir schon um einiges gescheiter geworden. Allerdings ist noch ungeklärt, welche Menschen, welche Figuren, welche Berufsgruppen dort auf der Wieden – für Nichtwiener: im heutigen vierten Wiener Gemeindebezirk Wieden – ihre Waren verkauften. Einmal waren das die Bauern, also die Direkterzeuger, die Produzenten, die Obst und Gemüse vom Land in die Stadt karrten. Wobei man das „Land“ sehr weitläufig verstehen muss, denn im Herbst lieferten die „Zwetschkenkrowoten“ ihre Zwetschken, wobei die Krowoten nicht aus Kroatien, sondern seltsamerweise aus der Slowakei stammten und zu Mittag angeblich wegen ihrer Trunkenheit nicht mehr gerade stehen konnten. Und die „Weinberlschwaben“ brachten – apropos Schwaben – aus dem östlichen Ungarn und aus dem Banat ihre Weintrauben. 

› zum vollständigen Artikel

Die Fortsetzung finden Sie in unseren nächsten Ausgabe am 3. Juli 2019!

Zurück