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Bürgermeister Dr. Michael Ludwig
© PID/Bohmann

Interview | Politik

„Die Digitali­sierung ist die größte Heraus­forderung!“

Wiens Bürgermeister Dr. Michael Ludwig (SP) im großen „Das Wien“- Interview. Er sieht keinen „vernünftigen Grund“ für einen vorgezogenen Wahl-Termin.

Er sieht die Funktion des Bürgermeisters als große Herausforderung an, die ihm auch viel Freude bereitet: Dr. Michael Ludwig (57), „roter“ Stadtchef von Wien. Seine Kindheit in einem Wiener Gemeindebau hat den Absolventen der Politikwissenschaft stark geprägt. Im Interview mit „Das Wien“ erklärt der Vollblutpolitiker, dass er nicht daran denke, den Amts-Rekord seines Vorgängers Michael Häupl von 23 Jahren und 6 Monaten zu brechen. Eine klare Absage erteilt Michael Ludwig bisherigen Spekulationen über eine mögliche vorgezogene Neuwahl in Wien. Zudem verweist der Bürgermeister darauf, dass die regierende Rathaus-Koalition im Skandal rund um das Krankenhaus Nord den Untersuchungsausschuss eingesetzt hätte.

Das Wien: Sie sind seit Mai Bürgermeister bzw. Landeshauptmann von Wien. Haben Sie sich schon mit der Rolle des Wiener Landesvaters zurecht gefunden?
Ludwig: Es ist eine schöne, aber auch sehr verantwortungsvolle Tätigkeit. Ich war zuvor schon mehr als zehn Jahre lang Mitglied der Wiener Stadt- und Landesregierung und durfte eine Zeit lang als Vizebürgermeister meinen Amtsvorgänger Michel Häupl bei vielen Anlässen vertreten. Durch den Umstand, dass Wien sowohl Bundesland als auch Landes- und Bundeshauptstadt ist, macht sich das auch im Umfang der Verantwortung sehr deutlich. Die Funktion ist eine große Herausforderung, die viel Freude macht – und durch die man mit sehr vielen interessanten Menschen zusammentrifft.

Das Wien: Sie gehören, wie Medien meinen, dem „rechten Flügel“ der SP an. Angeblich gibt es in der Wiener SP noch immer Schieder-Anhänger, die Ihnen kritisch gegenüberstehen?
Ludwig: Ich halte von den Zuschreibungen überhaupt nichts. In der Wiener SPÖ ziehen alle am selben Strang. Wir stehen auch gemeinsam hinter Andreas Schieder bei der Wahl zum Europaparlament.

Das Wien: Sie haben ein „gemischtes“ Stadtsenats-Team präsentiert. Wie sind Sie mit der bisherigen Arbeit Ihres Teams zufrieden?
Ludwig: Für mich war von Beginn an klar: Ich will ein ausgeglichenes Verhältnis von Frauen und Männern in der Stadtregierung. Außerdem war mir besonders wichtig, eine Mischung aus bewährten Kräften in der Politik und neuen Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Kulturvorzuschlagen. Ein kompetentes Team, das unterschiedliche gesellschaftliche Schichten und Gruppen anspricht. Dieses zukunftsweisende Regierungsteam ist sozusagen eine Wiener Melange aus langjähriger Erfahrung und neuen Gesichtern. Alle Mitglieder sind eigenständige und starke Persönlichkeiten, die ich gerne an meiner Seite habe. Die Zusammenarbeit ist ausgesprochen gut.

Das Wien: Sie sind in einem Gemeindebau in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen. Ist das ein Vorteil für einen „echten Roten“?
Ludwig: Ich würde es so sagen: Meine Kindheit und meine Jugend haben mich sicher sehr stark geprägt. Meine ersten Lebensjahre habe ich im 7. Bezirk verbracht. Dort hat meine Mutter in einer Fabrik gearbeitet. Dann sind wir nach Floridsdorf übersiedelt. Der Bezirk war damals wirklich noch ein Dorf. Heute ist Floridsdorf ein sehr attraktiver Wohnbezirk. Meine Mutter war Arbeiterin und Alleinerzieherin. Geprägt war diese Zeit auch von Bruno Kreisky. Denn nur durch verschiedene Maßnahmen, die er und sein Team initiiert haben – wie die Abschaffung der Studiengebühren – war es mir möglich, zu studieren.

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