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Karl Ploberger
© Christoph Böhler

Garten-Tipps

Der Pflanzenflüsterer
von Karl Ploberger

Der Herbst ist doch der Frühling des Winters

Das Gartenjahr geht ins Finale, doch ganz im Gegensatz zu früher beginnt nun der „zweite Frühling“. Denn viele Pflanzen lassen sich, wie man nun weiß,  auch im Winter kultivieren und sorgen für Schmuck und frische Vitamine im Garten und auf dem Balkon.

Als Henri de Toulouse-Loutrec mit dem mittlerweile berühmten Zitat den „Herbst als den Frühling des Winters“ bezeichnete, dachte er mehr an die Farbenpracht, die sich zum Ende eines Jahres zeigt. Heute ist aber vor allem die Kulinarik in den Vordergrund getreten, denn es gibt viele Gemüsearten, die auch jetzt noch gepflanzt und den ganzen Winter über geerntet werden können.

Beginnen wir aber mit den Pflanzen, die Farbe in die grauen Tage bringen: Das Heidekraut sorgt für Farbe und dank der Neuzüchtungen auch für wochenlange Blüte. Oder es müsste ehrlicherweise eigentlich heißen „wochenlange Knospen“, denn mit den „Gardengirls“ gelang etwas Geniales: Die kräftig gefärbten Blütenknospen bleiben geschlossen und sorgen so für wochenlange Dekoration.

Dazu kommen die vielen Gräser in den unterschiedlichsten Farbschattierungen. Seggen mit grün-weiß-gestreiften Blättern, blutrot die Japangräser oder die herrlichen Pampasgräser – da ist keine Rede mehr vom tristen Herbst.

Doch noch interessanter ist es, wenn man einen Blick auf die große Palette an Salaten wirft, zählen die vielen Kohlarten und natürlich alle Wurzelgemüse zu den Topstars der kalten Jahreszeit. Aber auch viele Kräuter spendieren ihre Würzkraft, wenn längst die Zeit der großen Ernte vorüber ist.

Kohlgemüse gehört seit Langem zum typischen Wintergemüse, denn anstelle von Stärke lagert die Pflanze im Herbst Zucker ein. So werden sie viel köstlicher und auch verträglicher. Gleiches gilt übrigens auch für den Kohlrabi. Auch der kann sehr spät geerntet werden. Besonders die Sorte „Superschmelz“ gilt hier als die absolut beste Sorte. Noch dazu mit Knollen, die zwei, drei Kilo und mehr haben und niemals holzig werden.

Bei den Salaten sind vor allem die Asiasalate extrem frostfest. Und Versuche haben gezeigt, dass die alten Traditionssorten „Neusiedler Gelber Winter“  und „Winterbutterkopf“ und „Winterhäuptel“ besonders gut für den Winteranbau geeignet sind. Bei allen gilt: Niemals ernten (oder auch nur berühren), wenn sie gefroren sind, sondern immer erst auftauen lassen. Im Freiland mit Vlies (ein- oder zweilagig) schützen, im Frühbeet aber immer gut lüften, dass es zu keinem Schimmel kommt.

Vor dem Anbau den Boden vorbereiten: Gut abgelagerten Kompost oberflächlich einarbeiten und, bei sehr schweren Böden, mit Sand für eine Durchlässigkeit sorgen. Außerdem Urgesteinsmehl streuen und mit Effektiven Mikroorganismen gießen.

Für Schnellentschlossene, gibt’s aber auch in den nächsten Wochen noch eine Chance, zu frischen Vitaminen zu kommen: übriggebliebene Radieschen-, Karotten-, Erbsen oder Kohlrabisamen einfach breitwürfig säen und zwei, drei Wochen später als sogenanntes Mikrogreen komplett mit den Wurzeln ernten, gut waschen und in Smoothies oder Salaten verwenden.

Garteln im Takt der Natur

Große Feuchtigkeit führt dieses Jahr an vielen Pflanzen zu Pilzkrankheiten. Oft beginnen die Früchte schon an den Sträuchern zu schimmeln. Daher sind diese Arbeiten jetzt am wichtigsten:

Im Garten:

  • Beerensträucher, die noch Früchte tragen, wie zum Beispiel die letzten (späten) Heidelbeeren oder Brombeeren an trockenen Tagen am Morgen mit Schachtelhalmextrakt einsprühen. Als Ergänzung gleich noch EM (Effektive Mikroorganismen) zugeben und so die Belastung durch Pilzerkrankungen zurückdrängen.
  • Auch bei den Paradeisern tritt bei Früchten, die aufgesprungen sind, oft Grauschimmel auf. Roh sollte man sie nicht verwenden, aber wenn man die kranken Stellen ausschneidet, kann man sie ohne Sorge für Sugos verkochen.
  • Rasenflächen düngen – am besten vor einem kräftigen Regen.
  • Rosen, die oft ohne Laub dastehen, nicht zu stark schneiden. Sie würden jetzt wieder kräftig zu wachsen beginnen und diese Triebe sind dann nicht frostfest. Geschnitten wird im März. Aber: Alle kranken Blätter entfernen und im Kompost gut abgedeckt mit anderen Materialien verrotten lassen.
  • Wo immer es geht auf Schnecken und deren Eier achten. Jetzt ist die beste Zeit durch Absammeln die Probleme im kommenden Jahr in den Griff zu bekommen.

Auf Balkon & Terrasse:

  • Balkonblumen bekommen wie jedes Jahr um diese Zeit noch einmal einen Wachstumsschub – wenn man sie ausreichend düngt. Ansonsten die kranken Pflanzen entfernen und generell immer gut durchputzen, damit vergilbendes Laub nicht zu verstärkten Pilzkrankheiten führt.
  • Herbstkisterl setzen. Mein Favorit sind die Mini-Cyclamen, die an Stellen, wo der Regen nicht direkt hinkommt, wochenlang halten. Nie über die Blätter gießen!

Im Zimmer:

  • Licht wird allmählich wieder zur Mangelware, daher Vorhänge tagsüber aufmachen und Pflanzen in die Nähe des Fensters stellen.
  • Phalaeonopsis Orchideen blühen dann wieder, wenn eine kühle Ruhephase von etwa fünf Wochen erfolgt. In dieser Zeit nicht zu viel gießen – am besten aufs Fenster im Vorhaus oder Schlafzimmer stellen.
  • Alle Grünpflanzen vor der Heizperiode noch einmal abduschen und vom Staub reinigen. Mit Milch, Bier oder Blattglanzspray reinigen.

Gartengeschichte

Wie Gärtner (und andere) heute grüßen
Es war ein Wiedersehen nach einer scheinbar endlos langen Zeit. Als letzte Woche die Gartenbaumesse in Tulln die Gartenfreundinnen und -freunde rief, kamen sie von weit her, denn es war eines der ersten Gartenbauevents des heurigen Jahres. Unter den strengen Covid-19-Richtlinien war freilich dennoch alles anders.

Für mich besonders interessant der Begrüßungsritus. Gab es früher Handschlag, ja bei engeren Bekannten auch eine Umarmung oder Wangenküsschen, war die obligatorische Distanz gefragt.

Und so kristallisierten sich vier Begrüßungstypen heraus:

Die ersten, die völlig auf Corona vergaßen und mit ausgestrecker Hand auf einem zuliefen und erst als ich meinte: „Corona!“ abrupt stoppten. Dann die „devoten“ Grüßer, die die Hände als Gruß falten und große Distanz signalisierten.

Wenig durchgesetzt hat sich der „Bein-Gruß“, wo die Wadeln aneinander gerieben werden – bei den meisten mangelt es da offenbar an einem optimalen Gleichgewichtssinn. Stark vertreten – vor allem beim  weiblichen Gegenüber – war der „Ellbogen-Gruß“. Und deutlich in der Mehrheit sind die „Faust-Grüßer“: Statt Handschlag ein kurzer, aber herzlicher Fausthieb: “Servas!“

Interessant sind aber, wie immer, wenn sich etwas Neues ergibt, die Unschlüssigen: So entstehen – Faust-Ellbogen-Grußformen oder man prallt generell ab: „Ich grüße gar nicht mehr mit den Händen!“

Gartenfragen im Herbst

Ich hab bei Freunden die Mexikanische Gurke gesehen. Wie wird die vorgezogen?
Die Melothria ist eine Kletterpflanze, die im März im Haus vorgezogen wird und nach den Eisheiligen ins Freie kommt. Die kleinen, kirschgroßen Früchte können roh gegessen oder in Essig eingelegt werden.

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Unsere Weintrauben und Hollerbeeren sind schon – obwohl noch gar nicht ganz reif am Strauch – vertrocknet und fallen ab. Die Blätter vom Wein sind schon ganz gelb geworden. Warum?
Der relativ feuchte Sommer und auch die vielen Niederschläge, die jetzt fallen, führen zu diesen Pilzkrankheiten. Alle kranken Teile entfernen (aber nicht generell das Gehölz schneiden) und auf bessere Witterung im kommenden Jahr hoffen.

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Viele Beete im Gemüsegarten sind nun leer, soll ich noch was anbauen oder sie leer liegen lassen?
Leer liegen lassen ist immer schlecht. Ich würde eine Gründüngung säen (Gelbsenf, Bienenfreund, Ölrettich, Inkarnatklee, etc.). All diese Pflanzen keimen rasch und bilden einen dichten Teppich, der den Boden schützt. Davor die Erde lockern und ein wenig Kompost einarbeiten.

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