Aktuelles

Karl Ploberger
© Christoph Böhler

Garten-Tipps

Der Pflanzenflüsterer
von Karl Ploberger

Die grünen Seiten des Sommers: Natur, Kinder, Balkon und Liebe

Auch wenn vieles im heurigen Jahr anders ist, eines gehört dazu: ein wenig Entspannung – auch für die sonst so emsigen Gärtnerinnen und Gärtner. Daher ist nun die beste Zeit im Garten zu liegen und in Büchern zu blättern. Unser Biogärtner Karl Ploberger hat einige der Interessantesten ausgewählt:

„Kann ich das essen – oder bringt mich das um?“ (Kosmos, € 17,50) ist wahrscheinlich eine Frage, die sich viele stellen, wenn sie bei Wanderungen in der freien Natur Beeren, Blüten oder Blätter sehen und zum Naschen oder für ein vitales Menü mitnehmen wollen. Katrin und Frank Hecker bringen es mit dem praktischen Nachschlagewerk auf den Punkt – ohne viel Botanik, sondern mit großen Fotos und einem übersichtlichen Steckbrief ist klar, was mitkommt und was in der Natur bleibt. Die exakten Beschreibungen lassen keine Zweifel offen, denn es werden auch mögliche Doppelgänger vorgestellt. 150 Pflanzen werden beschrieben und selbst erfahrene Sammler werden überrascht sein, was man alles essen kann. Das Wiesenschaumkraut zum Beispiel (blüht im Frühling ;-). Oder das Hirtentäschchen, das liebevoll auch Bauernsenf genannt wird. Giersch und Vogelmiere gehören schon zum Standard, vieler Naturmenschen, ebenso wie der Löwenzahn. Bei der Wegwarte (aus ihr wurde die Chichorie gezüchtet) beginnen wahrscheinlich schon manche zu überlegen, bei Nachtkerze und Königskerze würden viele verweigern, dabei sind die gelben Blüten von ersterer eine Bereicherung für jeden Salat und die Blüten der Königskerze in Honig eingelegt eine Köstlichkeit. Von den giftigen seien hier nur drei erwähnt: Hundspetersilie (sehr der echten ähnlich im Aussehen), das Jakobs-Greiskraut (sieht dem Johanniskraut ähnlich) oder die Beifuß-Ambrosia (wie der Name schon sagt zu verwechseln mit dem Beifuß).

„Arnika – Königin der Heilpflanzen“ (at-Verlag,€ 25,--)
gilt in der Volksheilkunde als eine der beliebtesten Pflanzen. Einerseits wird die Botanik präsentiert, andrerseits wird an Hand von Beispielen aufgezeigt, dass dieses Kräutlein bei Herzkrankheiten, Bluthochdruck und Schlaganfall gute Dienste leistet.

Bleiben wir beim Sammeln: „Pilzgeflüster“ (Löwenzahn, €22,90)
zeigt aber, dass man die köstlichen Schwammerl auch daheim ziehen kann – auf Holz, Stroh oder Kaffeesatz. Garten, Balkon oder der schummrige Keller werden zum Zuchtparadies. 

Apropos Gärtnern auf kleinstem Platz – der große Trend in dieser Corona-Zeit: „Mein Biotop auf dem Balkon“ (Gräfe & Unzer, € 18,50) und „tiny balcony“ (ebenfalls G&U, € 26,80) widmen sich der grünen Oase. Einerseits mit Pflanzideen, andererseits mit kreativen Bauprojekten, bei dem jeder Quadratzentimeter ausgenutzt wird.

In der Hitze des Sommers ist dieses kompakte Werk ideal zum Überdenken von so manchen Gewohnheiten:
„Klimaanlage Naturgarten“ (av-Buch,€12,95) zeigt, wie man den Garten für den Klimawandel tauglich macht, welche Pflanzen ideal sind und wie man das Kleinklima verbessert. Den „Gärtnern der Zukunft“ widmen sich viele spannende Bücher. „Escape Natur“ nennt sich eine Serie (Arena-Verlag, € 8,30) die sich mit Wald und Bienen widmet und das Buch für Kinder ab 8 Jahren zu einer spannenden Escape-Mission wird. Selbst für Erwachsene sind die Rätsel interessant.

Zum gemeinsamen erleben der Natur für die ganze Familie macht der „Naturführer Österreich“ (Kral Verlag, € 9,90) Lust. Immerhin gibt es gerade im heurigen Jahr in unserem Land viel zu entdecken. Es warten 3000 Pflanzen, 7000 Pilze und mehr als 45.000 Tierarten. Die Illustrationen von Alex Nemec sind perfekt und dennoch ist das Buch so handlich, dass man es einstecken kann.

Zum Abschluss noch Bücher zum (wirklichen) Lesen: Den Liebesroman „Der Garten unter dem Eiffelturm“ (Amazon, € 9,90) hat eine Gartenfreundin geschrieben. Sie lädt dabei zum Spaziergang durch viele Gärten in Paris und der Normandie ein. Mit dabei ein kleiner Gartenreiseführer.
„Mein literarischer Garten“ (Verlag ebersbach&simon €18,50) ist eine literarische Reise durch den Blumengarten, den die französische Klassikerautorin Colette unternimmt. Für sie ist klar: „Das Glück wohnt im Garten!“

Und der „leidenschaftliche Gärtner“ Andreas Honegger lädt in dem fast 400-seitigen Buch „Von fiesen Schädlingen, duftenden Kräutern und üppigen Blumen“ (Verlag Elisabeth Sandmann, € 28,80) zu einem Rundgang durch Garten und Jahreszeiten. In den Geschichten erfährt man praktisches, bekommt aber auch unterhaltendes und kurioses serviert. Ideal fürs immer wieder zwischendurch lesen.

Gartengeschichte: Von gelben Blättern und verblühten Rosen
Die Geschichte über das Totholz im Garten und dem Appell ein wenig Unordnung zuzulassen, hat viele Reaktionen ausgelöst. Weniger in schriftlicher Form, sondern „so zwischen Tür und Angel“.

„Na, das hat meiner Frau gar nicht gefallen, was da ihr Liebling im Garten verlangt“, meinte süffisant ein „Ehemann“ beim Anstellen an der Kassa im Supermarkt. Bei ihr sei nämlich immer alles absolut perfekt – kein gelbes Blatt, keine verblühte Rose. Alles wird täglich kontrolliert und gekehrt. Als ich ihm dann erzählte, dass ich auch manchmal einen Laubbläser (keinen Sauger!!) einsetze, um die Rosenblätter der Ramblerrose zu verblasen, war er irritiert.

Das könnte ihr wieder gefallen“. Das Gespräch endete übrigens extrem freundschaftlich und der für die Oleander zuständige Ehemann wollte gleich wissen („Weil ich sie gerade da hab ...“), warum seine prächtige Kübelpflanze (aus einem Ableger vom Urlaub von vor 25 Jahren mit genauer Nennung des Hotels, wo er den Trieb mitgehen ließ) jetzt plötzlich gelbe Blätter bekommt. Der Hinweis, dass Oleander Nährstofffresser (2 x wöchentlich düngen) und Wasserschlucker (Leitungswasser im Untersetzer) sind, stimmte ihn so zufrieden, dass er versprach künftig versuchen wird, die Ehefrau zu etwas Unordnung zu überreden.

Wo der Totholzhaufen allerdings im 2000 Quadratmeter großen Garten Platz findet, ist noch unklar. Denn für den Kompost gibt’s auch kein Eckerl – aber darüber diskutierte ich dann nicht mehr – ich war schon beim Bezahlen ...

Gartenfragen

In meinem Hochbeet hat sich ein gelber breiartiger Belag auf der Erde gebildet, der (so kommt mir vor) jeden Tag woanders auftaucht. Ist der giftig und kann ich das Gemüse noch essen?
Es handelt sich um einen Schleimpilz, die gelbe Lohblüte oder auch Hexenbutter genannt. Er ist nicht giftig, aber gilt bei uns als ungenießbar. Er wächst extrem rasch und taucht dort auf, wo Holz fault und viel Feuchtigkeit vorherrscht. Gemüse kann man essen.

***

Wir haben den Wallnussbaum „Milotai“ im letzten Herbst wurzelnackt gepflanzt. Jetzt hat er schon neun Früchte, soll man sie entfernen?
So jungen Bäumen tut man gutes, wenn man gut 2/3 der Früchte entfernt. Damit hat er Kraft Wurzeln und Triebe zu bilden. Im kommenden Jahr wird er vermutlich weniger tragen, in zwei Jahren beginnt dann die Ernte bei diese extrem robusten und stark tragenden Sorte.

***

Nach den Schnecken kommen jetzt die Ameisen. Ich bin verzweifelt! Im gesamten Garten sind Bauten und machen den Rasen kaputt. Backpulver hat nicht gewirkt.
Meine besten Erfolge erzielte ich mit Kieselgur. Allerdings nur dann, wenn es nicht geregnet hat. Mehrmals den Bau einstäuben und die Ameisen verschwinden.

Garteln im Takt der Natur

Die heftigen Regenfälle haben das Wachstum extrem forciert. Nun heißt es doch wieder in die Hände spucken und folgende Arbeiten erledigen.

Rasen – nicht zu kurz mähen. Sollte jemand das Beikraut stören, dann jetzt ausreißen und sofort nachsäen. Rasen organisch düngen!
Kübelpflanzen – gießen (auch wenn es regnet, weil die Blätter viel abhalten) und die Töpfe zwei Mal wöchentlich düngen.
Balkonblumen – ausputzen, wenn sie sich nicht selbst reinigen. Auch hier gießen und düngen!!! Krankheiten, wie Mehltau bei Surfinien kommt meist durch Düngemangel.
Gemüsegarten – Salat nachpflanzen, damit auch im Spätsommer frische Vitamine geerntet werden können. Tomaten ausgeizen. Nur die gelben (kranken) Blätter entfernen.
Beerengarten – Heidelbeeren werden nun reif. Gleich nach der Ernte noch einmal düngen und gleich die ganz alten Triebe herausschneiden. Genau so behandelt man auch die Ribisel.
Weingarten – die ganz langen Triebe nun bis auf 2-3 Blätter über dem Fruchtstand einkürzen.
Rhabarber – nicht mehr ernten, aber dafür nun kräftig düngen. Dann gibt’s nächstes jahr wieder dicke Blattstiele (und kaum Blüten).

› weiterlesen

Zurück