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Karl Ploberger
© Christoph Böhler

Garten-Tipps

Der Pflanzenflüsterer
von Karl Ploberger

„Vielfraß“, „schleimig“ und einfach „ungeliebt“

Sie tauchen über Nacht auf und bringen so manche Blumenliebhaberin oder -liebhaber zum Verzweifeln: die Schnecken, insbesondere die Rote (Spanische-)Wegschnecke. Oft ist dann die erste Frage: Woher kommen denn die? Um es gleich vorweg zu sagen: die wenigsten werden eingeschleppt, sie sind immer da und lauern nur, bis der passende Moment gekommen ist. So wie in diesem Jahr. Zuerst versteckt, weil es so trocken war. Und wenn der große Regen kommt, tauchten sie invasionsartig auf. Mit immerhin drei Metern pro Stunde! Und einer Vermehrungsrate von 300-500 Eiern pro Exemplar! Daher gilt generell: Vorbeugen ist der wesentlichste Pflanzenschutz.

1. Nützlinge in den Garten locken: Steinmauern als Unterschlupf für Eidechsen, Salamander und Blindschleichen. Der Gartenteich ist Quartier für Kröten und Ringelnattern. Und das Herbstlaub dient als Versteck für Igel und Laufkäfer. Sie alle sind große Schneckenvertilger.

2. Absammeln – in den Abend- und Morgenstunden: Tiere aber ohne Quälerei vernichten, wer es mag. Wie? Ist zwar brutal, aber mit kochend heißem Wasser überbrühen bedeutet Sekundentod.

3. Mechanische Hindernisse aufbauen: Schneckenzäune rund um Hochbeete oder bei Einzelpflanzen geben gerade den Jungpflanzen Schutz. Denn oft setzt man eine Dahlie oder eine Tagetes – und am nächsten Tag ist sie nicht mehr zu finden.

4. Kupferbänder oder auch Kupferdrähte: Diese Barrieren (zum Teil gibt es schon welche mit Batterie als Minielektrozaun) werden von den Schnecken gemieden. Wenn Strom darin fließt, ist es wie ein Wildzaun, doch alleine schon Kupfer löst in Verbindung mit dem Schleim einen schwachen elektrischen Impuls aus, der die Schnecke zum Umkehren zwingt.

5. Schneckenkorn: Nur das auf Eisen-III-Phosphat-Basis (das einzige im Biogarten zugelassene) sollte man nur im Notfall und am besten vorbeugend verwenden: Zeitig im Frühjahr, wenn nur die ganz kleinen Tierchen unterwegs sind, breitwürfig streuen, das senkt die Belastung fürs ganze Jahr. Freilich muss man auch jetzt streuen, doch am besten punktuell, weil auch Tigerschnegel oder Weinbergschnecken Opfer werden.

6. Nematoden gegen Schnecken: Ein Teil der (noch besonders kleinen) Schnecken lässt sich mit diesen mikroskopisch kleinen Würmern vernichten. Die Nematoden werden mit der Gießkanne ausgebracht. Der Boden sollte gut durchfeuchtet sein. Die Nematoden leben in der Schnecke und sie stellt innerhalb von zwei Tagen das Fressen ein. Dort vermehren sich die Nematoden und springen auf andere Schnecken über. Für sechs Wochen reicht eine Behandlung.

7. Mulchen als Barriere: Ob Eierschalen, Nadelstreu, Splitt oder andere Materialien – sie helfen nur bedingt. Gut bewährt hat sich die sog. „Schneckenbarriere“, ein Abfallprodukt aus der Mehlerzeugung. Wirkt wirklich wochenlang und wird nicht überkrochen.

Tipps von „Schnecken-Geplagten“
Streuen Sie einen dicken Ring Kaffeesud rund um gefährdete Pflanzen, denn Schnecken mögen ihn nicht. Koffein in höheren Konzentrationen (1-2 %) ist für sie giftig. Auch um Erde, die ausreichend mit Kaffeesatz gedüngt wurde, machen Schnecken einen Bogen.

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Legen Sie Rhabarberblätter im Garten aus. Sie dienen als Schneckensammelstelle. Die Tiere suchen dort Unterschlupf und können so tagsüber leicht eingesammelt werden. Funktioniert auch sehr gut mit Brettern, Karton, feuchten Zeitungen oder nassen Tüchern!

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Ich lasse in den Bierdosen einen kleinen Rest und grabe sie im Beet ein. Die Schnecken mögen Bier, kriechen in die Dose und kommen nicht mehr heraus – ein idealer Schneckenvernichter.

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Abgeschnittene Tomatenblätter zwischen den grünen Salat streuen, damit keine Schnecken kommen.

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Junge Pflänzchen schützt man am besten gegen Schnecken, indem man eine leere Plastikflasche in der Mitte auseinanderschneidet, die Verschraubung entfernt, damit die Pflanzen Luft bekommen – und den oberen Teil der Flasche über die Setzlinge stellt.

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Ich habe einen wuchernden Salbei und verwende diesen nicht nur als Heilmittel. Er ist auch mein Schneckenschreck! Wo ich keine Schnecken haben will (mein Garten grenzt an ein Feld), lege ich Salbeizweige entlang auf und keine Schnecke wagt diesen duftenden Übergang zu überkriechen.

Gartengeschichte: Einfach nur grauslich
Das feuchtwarme Wetter lässt die Schnecken fröhliche Schlemmerfeste feiern. Heute gepflanzt, am nächsten Morgen schon verschwunden. „Es ist einfach nur grauslich“, schrieb mir eine Gemüsegärtnerin, die tagtäglich am späten Abend absammeln geht und am Kalender die Beutezahlen vermerkt – mit fallender Tendenz: 327, 298, 156 ...

Es erinnert ein wenig an die Corona-Statistik, die bei uns in Österreich im Moment sehr gut aussieht, weil alle so halbwegs brav sind. Die Schneckensammlerin offenbar auch, denn je mehr man von den schleimigen Tierchen beseitigt, desto weniger können sie sich vermehren. Und erste Schneckeneier habe ich JETZT (!) schon gefunden. Die Trockenheit am Beginn des Gartenjahres hat offenbar zu einem frühzeitigen Vermehrungsdrang geführt.

Viele der Tipps, die ich rund um die schleimige Gartengesellschaft bekommen habe, sind nichts fürs Protokoll. Schere, Salz, Waschpulver, Ertränken ... Ein wenig klingt das alles nach mittelalterlichen Folter-Methoden und doch gibt es einige, die bei diesen Greueltaten nicht mitmachen und dennoch von sensationellen Erfolgen sprechen: Diese haben „Frieden geschlossen“ und den Tierchen gewisse Bereiche überlassen und dafür bleiben tatsächlich die Gemüse- oder Blumenbeete verschont. Am kuriosesten ist freilich nach wie vor die Gartenliebhaberin mit (halb)weichem Herz: sie sammelt die Schnecken, kann sie aber nicht töten. So steckt sie sie mit Salatblättern zusammen in einen Plastiksack und bindet ihn zu und wirft sie in die Mülltonne. Auch nicht nett. Da finde ich es am besten, wenn Igel, Blindschleiche, Ringelnatter und Laufkäfer den Job des Exekutors übernehmen.

Gartenfragen rund um Schnecken
Warum werden die auf der Fensterbank vorgezogenen Ringelblumen (eine spezielle Sorte) nach dem Auspflanzen von den Schnecken vernichtet, die wild aufgehenden aber nicht?
Ganz geklärt ist es noch nicht, doch vermutlich sind die weichen Zellen der vorgezogenen Pflanzen ein Leckerbissen, die freiwachsenden sind dagegen robuster. Abhärten der Pflanzen im Topf im Freien hilft in vielen Fällen, dann erst an den endgültigen Standort setzen.

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Vor Jahren habe ich Weinbergschnecken gesammelt und in meinen Garten geholt, weil gesagt wurde, dass sie die Gelege der Nacktschnecken fressen. Nun heißt es, dass das nicht stimme – fressen nun die Weinbergschnecken meine Blumen?
Die Gefahr besteht nicht. Weinbergschnecken sind, wie einige andere, die Gesundheitspolizei und fressen Faulendes und Verwesendes. Zeitweise fressen sie doch die Gelege, aber nicht bedeutsam. Dennoch im Garten belassen!

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Ich denke ich gebe meinen Komposthaufen auf, weil dort hunderte Nacktschnecken zu finden sind. Was kann ich machen? Absammeln ist unmöglich!
Bei mir leben im Komposthaufen viele (wirklich viele) Blindschleichen, die sind große Schneckenvertilger. Außerdem streue ich im zeitigen Frühjahr punktuell das Eisen-III-Phosphat-Schneckenkorn. Kompost ist dennoch die Kraftquelle!

Garteln im Takt der Natur
Nun ist tatsächlich die Ferienzeit im Garten angebrochen. Nur noch die wichtigsten Pflegearbeiten sind zu erledigen:

Rasenmähen – niemals zu kurz, denn sollte es einige Tage Hitze geben, verbrennt der Rasen und das Unkraut wuchert.
Gießen – auch wenn immer wieder Gewitterregen niedergehen. Manche Töpfe und Beete erreicht der Regen nicht.
Blumenkisterl – die dem Regen ausgesetzt sind, öfter düngen, denn die Nährstoffe werden ausgeschwemmt!
Aufbinden – Stauden, aber auch Paradeiser, Gurken und Paprika benötigen nun genau so eine Stütze, wie Himbeeren oder Brombeeren.
Schneiden – (Laub-)Hecken werden nun geschnitten. Auf die Vogelnester aufpassen!!

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