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Karl Ploberger
© Christoph Böhler

Garten-Tipps

Der Pflanzenflüsterer
von Karl Ploberger

Ein Blütentraum in Pink

Es war Vita Sackville-West, die mit ihrem Weißen Garten im berühmten Schloss von Sissinghurst in England das Thema eines Gartens mit nur einer Blütenfarbe populär gemacht hat. Nach wie vor ist gerade dieser Gartenteil eine Pilgerstätte. Doch nicht nur "weiß" ist gefragt. Pink ist derzeit in. Und so zeigt diesmal unser Biogärtner Karl Ploberger Pflanzen, die im Garten die rosa Brille ersetzen ...

Zum Kuckuck!
Ein gefüllter "Blüten-Puschel" macht die Kuckuckslichtnelke "Jenny" zum Hingucker. Diese an sich heimische Pflanze kommt in ungefüllter Form auf feuchten Wiesen vor und ziert Sumpfbereiche und Teichränder auf ganz dezente Art und Weise. Mit "Jenny" wird die Pflanze "salonfähig". Ihr Einsatz bleibt nicht mehr nur auf naturnahe Gartenbereiche beschränkt. Vielmehr punktet "Jenny" mit erstaunlicher Anmut, Leichtigkeit und Farbenfreude im Staudenbeet.

Es darf gebrüllt werden!
Das Löwenmaul, diese alte Bauerngartenblume, ist eine Blütenpracht in jedem Garten. Die neuen Züchtungen unterscheiden sich aber grundlegend von den alten Sorten, denn sie wachsen viel kompakter und bilden bis zum Herbst immer neue Blüten.
Veronika – nicht nur im Lenz!

Die neue pinke "Veronika" ist dann gefragt, wenn man im Staudenbeet einige Lücken schließen muss, die durch die abgeblühten Zwiebelblumen des Frühlings entstanden sind. Diese besonders kompakt wachsende Staude ist winterhart und blüht Jahr für Jahr, wenn man ihr genug Platz gibt. Wird sie von anderen Pflanzen zu sehr bedrängt und hat wenig Licht, dann ist es mit dem kräftigen Wachstum aber bald vorbei.

Südafrika in pink!
Kapmargerite – dieser Traum in Rosa ist der sonnenhungrigste unter den pinken Pflanzen. Osteospermum stammt aus dem südlichen Afrika und ist eine extrem hitzeverträgliche Pflanze, die früher nur einen Nachteil hatte. War es im Sommer in der Nacht zu warm – so um die 20 Grad – dann hörte sie zu blühen auf, begann aber wieder im Herbst zu blühen. Diese neue Sorte blüht durch.

Eine Zufallsflocke!
Die rosarote Schneeflocke ist eine absolute Neuheit und sie wird es erst in einigen Jahren geben. Euphorbia hypericifolia kennen wir als Zauberschnee in weiß – nun aber hat ein Salzburger Gärtner durch Zufall eine rosa Form entdeckt und in den nächsten Jahren wird sie wohl auch unsere Fenster zieren.

Männertreu in pink!
Fast ins violette geht es bei dieser Lobelie, die man landläufig als Männertreu bezeichnet und man unter blau kennt. Dieses Pink leuchtet kräftig und sorgt für viel Aufmerksamkeit in einer Blumenschale oder als Unterpflanzung bei Kübelpflanzen.

Nelken wieder in!
Nelken erleben schon seit einigen Jahren eine Renaissance. Und sie passen auch zur Witterung, die normalerweise herrscht: nämlich trockenes Wetter. Das Kind Griechenlands liebt einen durchlässigen Boden und fühlt sich in einem Topf besonders wohl. Auch für die pinke Nelke gilt: Nicht zu viel gießen und alles Abgeblühte entfernen, dann kommen immer neue Blüten.

Scheinbar für ewig!
Die japanische Scheinmyrte gilt als einer der Aufsteiger – blüht sie doch von März bis Oktober. Cuphea, wie sie botanisch heißt, ist ideal für die Unterpflanzung von Kübelpflanzen, denn sie mag keine zu heißen, aber auch keine zu schattigen Standorte, Staunässe verträgt sie überhaupt nicht. Man kann sie mit den Kübelpflanzen überwintern und dann ist sie ein Begleiter für viele Jahre.

Gartengeschichte: Ganz in weiß ...
Von meinen Gartenreisen habe ich schon viele Ideen mitgenommen. Den Ruinengarten, das Glashaus im englischen Stil, die Spiegel wie in venezianischen Gärten oder auch die Blumenwiesen, die ich in vielen Naturgärten gesehen habe. Bei einem Projekt bin ich aber bis jetzt immer gescheitert – Beete in nur einer Farbe.

Der Weiße Garten in Sissinghurst, der in seiner Geschichte viele Aufs und Abs mitgemacht hat, erlebte bei meinen letzten Besuchen wieder eine ungeheure Pracht. Weiße Rosen, Schleierkraut, Löwenmaul mit strahlend weißen Blüten, Lupinen, die schier endlose weiße Kerzen schmückten und dazu noch Margeriten und Prachtkerzen, die im Wind schaukelten.

Mit solchen Bildern im Kopf reise ich dann heim, pflanze gedanklich um und gestaltet ganze Beete neu. Das mache ich auch teilweise, doch dann kommt der nächste Gartenmarkt, der Besuch einer Gärtnerei oder das Mitbringsel einer Gartenfreundin und schon sind die monochromen Ideen in einer bunten Vielfalt verschwunden. Das passiert aber nicht von ungefähr, denn mein Lebensmotto lautet auch: Die Welt ist nicht schwarz-weiß, sondern bunt. Und genau so ist mein Garten. Vielfalt in jeder Hinsicht, farblich, bei der Vegetation und auch bei den Tieren. Nur wenn sie zu üppig werden, dann greife ich ein. Und so lasse ich auch viele Beikräuter wachsen und werde erst dann aktiv, wenn sie zu Unkräutern werden. Da muss dann auch ein Teil des im Moment so herrlich blühenden Giersches, dem Erdholler, daran glauben. Oder die Winde. Beide wären ideal im weißen Beet – wenn sie nicht so ‚blühfreudig‘ wären ...

Pflanze der Woche: Der "Sunawend Hansl"
Er ist ohne Zweifel eine extrem wüchsige Wildstaude, sorgt aber deshalb auch als Blickpunkt im Garten, der Waldgeißbart (Auruncus sylvestris). Aus dem Nichts erscheinen die Blätter im späten Frühjahr und wachsen und wachsen, ehe sie sich in fast zwei Meter Höhe mit der Rispenblüte schmücken – in Weiß (die weiblichen) oder cremefarben (die männlichen). Die Blüten bestehen aus zehntausenden Einzelblüten und sind ein Magnet für Insekten. Auch nach dem Abblühen bleibt die Staude, die am liebsten im Halbschatten oder Schatten wächst, ein Blickpunkt. Der Boden sollte humos, eher kalkarm und nicht zu trocken sein, dann benötigt die Pflanze keine Pflege. Der in Teilen Österreichs gebräuchliche Name „Sunawend Hansl“ benötigt beinahe keine Erklärung: er blüht rund um die Sommersonnenwende.

Gartenkalender
Die längsten Tage des Jahres sind der beginnende Blühhöhepunkt im Garten. Die letzten Rosenblüten (oder in raueren Gegenden die volle) und die üppige Blüte von Stauden und Sommerblumen machen Garten und Balkon zum Blühparadies. Jetzt ist wenig tun:

A, wie aufbinden
Tomaten und Stauden

B, wie Beikräuter
Nach viel Regen sind die Bei- (oder Unkräuter) leicht zu entfernen. Immer mit schlankem Werkzeug den Boden zuvor lockern, um alle Wurzeln zu beseitigen.

G, wie gießen
Kübelpflanzen oder Balkonkisterl brauchen auch nach kräftigen Regenschauern Wasser, denn die Blätter halten die Nässe von oben ab.

H, wie Hecke
Nun werden die Laubhecken geschnitten – Hainbuche, Liguster, Buchs (so es noch einen gibt) oder auch Ilex.

R-Zeit im Garten
Rosen, Rasen und Rhododendren (mit Spezialdünger) organisch düngen!

S, wie schützen
mit Schmierseifenwasser (1 EL auf 1 l Wasser) gegen Läuse und Kieselgur gegen Ameisen stäuben.

Z, wie Zimmerpflanzen
Wenn die Jalousien als Sonnenschutz schon der Früh heruntergelassen werden, fehlt das Licht. Besser die Pflanzen zur Sommerfrische ins Freie (nicht gleich in die Sonne!)

Gartenfragen
Meine Hainbuche bekommt bei einigen Blättern braune Punkte und Löcher. Muss ich was tun?
Nein, diese Pflanze ist extrem robust. Handelt sich um eine Pilzkrankheit und man kann mit Schachtelhalmextrakt und Effektiven Mikroorganismen sprühen.

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Auf meinen Zucchini krabbeln viele Ameisen herum. Was kann ich tun, dass sie weniger werden?
Ich würde rund um die Pflanzen mit Kieselgur stäuben – nach Regen aber wiederholen.

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Ich habe im Frühjahr meinen 3-jährigen Kirschbaum umgepflanzt, hatte schon Blätter – jetzt sind alle welk! Muss ich gießen, trotz des Regens?
Oje, das war eindeutig zu spät. Der Baum hatte schon viele feine Faserwurzeln, die beim Umpflanzen verletzt oder abgerissen wurden. Ev. stark zurückschneiden – die Chancen sind aber gering, dass er überlebt. Umpflanzen immer ohne Laub!

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Im Rasen habe ich ganz eigenartige Gewächse gefunden. Sieht aus, als ob auf den Grasblättern hunderte graue Schildläuse kleben. Was ist das?
Es dürfte sich um sog. Schleimpilze handeln, die sich bei viel Regen oft explosionsartig ausbreiten, aber genauso schnell verschwinden. Sie schädigen die Gräser nicht, daher ist auch nichts zu unternehmen.

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