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Karl Ploberger
© Christoph Böhler

Garten-Tipps

Der Pflanzenflüsterer
von Karl Ploberger

Die Wilden sind gefragt

Pelargonien, Petunien, Tagetes und Zinien – die Liste könnte man noch endlos fortsetzen. All diese Balkon- und Beetpflanzen findet man in unseren Gärten, auf den Balkonen und in den Parks. Und doch gibt es seit einiger Zeit die Faszination für das ursprüngliche, das heimische. Wildstauden sind gefragt – als robuste Alternative, als Nahrungsquelle für viele Tiere und letztlich oft als völlig unbekannte Köstlichkeit in der Küche.

„Hirsch Haarstrang“, „Quirl Salbei“, „Milder Mauerpfeffer“, „Teufelsabbiss“ oder „Nickendes Perlgras“ – alleine die deutschen Namen machen schon neugierig. Was lange Jahre nur im Biologieunterricht oder Pflanzenlexika zu finden war, ist aber nun salonfähig geworden. Verkehrsinseln ergrünen mit heimischen Pflanzen, Blumenbeete im Garten erfreuen mit den robusten heimischen Blüten. Und selbst in der Stadt findet man sie in alternativen Balkonkisterln. Oft aber scheitern die Blumenfreunde, weil sie die Vorlieben der heimischen Wildpflanzen nicht kennen. Wer beispielsweise eine Packung Blumenwiesensamen einfach in eine Wiese streut und nun auf die üppige Sommerwiese wartet, wird enttäuscht sein, denn da kommt nichts. Die heimischen Stauden und einjährigen Kräuter – vor allem die in der Blumenwiese – benötigen einen absolut offenen, durchlässigen Boden, ohne von anderen Pflanzen bedrängt zu werden. Da heißt es zuerst einmal in die Hände spucken und die oberste Humusschicht mit dem Rasen abzutragen, dann die Erde tiefgründig lockern und möglichst viel groben Sand einarbeiten. Und: NIEMALS düngen!

Freilich sind diese Pflanzen auch fürs Blumenbeet, Kiesgärten oder das Blumenkisterl geeignet. Genau da zeigen sie dann auch ihre Vorzüge, denn sie benötigen, wenn man sie einmal in die richtige Erde (auch hier wieder viel mineralisches, also kiesiges Substrat) gepflanzt hat, nur ein wenig Wasser – das war es. Und viele diese Kisterl kommen jedes Jahr wieder, ohne dass man immer wieder neu pflanzt. Das besondere an diesen Wildpflanzen: sie sind die wahren Nahrungsquellen für Insekten und viele sind auch als Gemüse in der Küche verwendbar.

Dass es einen Trend in diese Richtung gibt, kann Elke Holzinger von den Wildeblumen.at nur bestätigen: „In der Corona-Zeit haben wir hunderte Pakete verschickt – die Leute lieben das naturnahe Garteln!“ Warum die heimischen wilden Blumen so gefragt sind, ist für Holzinger, die gemeinsam mit drei Kolleginnen die Pflanzen anbietet, klar: „Sie sind robust, brauchen ganz wenig Pflege und sind ideal an unser Klima angepasst!“ Für die Biologin gibt es einige ganz besonders geniale Wildblumen.

Fünf wilde Sonnenkinder: 

Heide Nelke (Dianthus deltoides) sonige, trockene Standort in kalkarmen Boden

Natternkopf (Echium vulgare) liebt ebenfalls Kies und ist ein Bienenmagnet

Echter Dost (Origanum vulgare) – ideal für Pflanztröge, Insekten lieben ihn – Würzkraut

Arznei Schlüsselblume (Primula veris) Goldgelbe Blüten sind essbar! Heckenunterwuchs

Wiesen Salbei (Salvia pratensis) ob Blumenwiese oder Kisterl, essbar und Hummelpflanze

Fünf wilde Schattenpflanzen:

Duft Odermennig (Agrimonia procera) liebt trockene Stellen, Blüten bringen Sonne in den Schatten

Nesselblatt Glockenblume (Campanula trachelium) humoser Schatten lädt die essbaren Blüten als Wildbienen Schlafplatz ein

Waldmeister (Galium oderatum) schöner Schatten-Bodendecker. Bowle!

Frühlingsplatterbse (Lathyrus vernus) im Halbschatten ein entzückender Frühlingsblüher

Wilde Mondviole (Lunaria rediva) – liebt es nicht zu trocken, schöne Samenstände

Gartengeschichte – Die Erinnerung ist der beste Gärtner
Eine Wanderung zum Egelsee am Südende des Attersees, vor vielen Jahren mit meinem Naturgeschichtsprofessor brachte mir die Faszination eines Moores zum ersten Mal näher: Sonnentau, Knabenkraut, Wollgras und Teichrosen haben mich begeistert. Viele Jahre war ich dann nicht dort, habe aber, wo immer es ging, Moorlandschaften besucht und letztlich sogar bei mir im Garten ein kleines Moor angelegt, in dem jetzt das Torfmoos wächst und wo fleischfressende Pflanzen ein ausdauerndes Daheim gefunden haben.

In meinen Gedanken hatte ich dabei immer den Egelsee vor Augen. Das dunkle Wasser, das saftige Gras und dahinter die Kulisse des gewaltigen Höllengebirges. Kürzlich war ich endlich wieder einmal dort. Nach wie vor ist dieses Naturidyll eine Wanderung wert. Aber in meiner Erinnerung war alles viel gewaltiger, viel blütenreicher. Ich sah vor meinem geistigen Auge oft hunderte Knabenkräuter, ganze Teppiche an Sonnentau und Wollgras bis zum dunkelblauen Himmel.

Genau das ist es was mich an unserem (oder vielleicht nur meinem?) Gehirn so gefällt. Schöne Erlebnisse werden mit der Zeit immer schöner, über negative legt sich ein Schleier der allmählich alles zudeckt. Auch im Garten – wie viele Pflanzen habe ich schon durch Wühlmäuse verloren? Na ja – ein paar. Mein Totenbuch des Gartens waren lange Jahre Blumentöpfe, in denen ich die Etiketten der eingegangenen Pflanzen aufbewahrte. Das sah dramatisch aus – bis ich alle wegwarf. Jetzt gibt es nur noch einen Garten voller Leben ...

Pflanze der Woche: Das Zittergras
Das ausdauernde Gras (Briza media) liebt magere Wiesen und Weiden und ist im Garten nur langfristig zu finden, wenn der Boden nicht gedüngt wird. Konkurrenz duldet es nur bedingt. Als Ziergras ist es beliebt, Biobauern schätzen es als Untergras, weil das Vieh es gerne frisst. In Töpfen oder Schalen oder Steingärten ist es attraktiv zusammen mit Schafgarbe oder Storchschnabel. Fühlt das Gras sich wohl, bildet es größere Horste, die sehr winterfest sind.

Buch der Woche
„... oder bringt mich das um?“

Der Trend mit Wildpflanzen zu kochen führt freilich manchmal zur Frage: „Kann ich das essen – oder bringt mich das um?“ Und genau unter diesem Titel haben Katrin und Frank Hecker ein praktikables Nachschlagewerk (Verlag Kosmos, € 17,50) geschaffen. Essbare und die, die einem umbringen werden gegenübergestellt – mit Fotos und klaren Beschreibungen. Dazu gibt es noch viele Tipps und Rezepte. Ein ideales Buch für Neueinsteiger!

Garteln im Takt der Natur
Die Blumenzwiebeln sind nun fast alle eingezogen, nun können die Blätter entfernt werden. Stehen die Tulpen in einem Beet, das dem Regen ausgesetzt ist, oder stark gegossen wird, dann sollte man die Zwiebeln ausgraben und im Keller lagern. Die Tulpe benötigt im Sommer Trockenheit, dann legt sie in der Zwiebel die Blüte fürs kommende Jahr an. Gleiches gilt für die Kaiserkronen. Bei Narzissen ist das nicht notwendig.

Rasenflächen sollten jetzt unbedingt organisch gedüngt werden, je kräftiger das Gras wächst, desto weniger können sich die Wildkräuter ausbreiten (wenn man sie nicht mag). Wichtig ist, dass es nach dem Düngen regnet oder man intensiv wässert. Nicht zu kurz mähen, das zehrt die Gräser aus, wenn es trocken und heiß ist. Blumenwiesen werden bald gemäht – es sollten aber trockene, heiße Tage sein, damit die Kräuter sich aussäen bevor das Heu entfernt wird.

Rosen schneiden (nicht Wild- und historische Rosen) und düngen. Salate nachpflanzen, Gurken gut wässern und Tomaten aufbinden und ausgeizen. Kübelpflanzen und Balkonblumen düngen und Verblühtes ausschneiden.

Gartenfragen
Wegen einer Baustelle muss ein gerade herrlich blühender Rosenstock umgesetzt werden. Geht das?
Die ungünstigste Zeit überhaupt! Mit 10-prozentiger Chance den Stock auf 20 cm zurückschneiden, mit möglichst vielen Wurzeln ausgraben und sofort setzen. Anhäufeln, dass die Triebe fast komplett zugedeckt sind ... und hoffen!

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Die Blätter unserer Ribisel sind voller Pusteln – die Johannisbeer-Blasenlaus. Können wir die Früchte trotzdem essen?
Ja, problemlos. Im kommenden Jahr im zeitigen Frühjahr beim Knospenschwellen mit Schachtelhalmextrakt und einem Rapsölpräparat sprühen.

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Meine Zitruspflanzen bekommen keine Blüten. Was tun?
Mehrere Gründe: selbstgezogen aus Kernen, dann dauert es 12-15 Jahre. Veredelung abgestorben, dann wächst der Wildling, der ebenfalls sehr spät blüht. Oder zu wenig Dünger! Bis Mitte August wöchentlich düngen!

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Ich habe im Hochbeet so viele Ameisen – rote und schwarze! Gibt’s ein Biomittel?
Ja, Kieselgur. Das Pulver bei trockenem Wetter auf die Bauten streuen, ev. etwas aufgraben. Wirkt auch auf Terrassen und in Wohnungen.

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