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Karl Ploberger
© Christoph Böhler

Garten-Tipps

Der Pflanzenflüsterer
von Karl Ploberger

Lausige Zeiten "für Läuse"

Tagsüber war es sommerlich, in der Nacht lagen die Temperaturen oft nahe dem Frost – ideale Voraussetzungen für eine Invasion der Läuse. Hier sind die Tipps, was man tun kann, ohne gleich mit der schweren Giftkeule zu kommen:

1. Das Wetter
Die gewaltigen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind einer der Hauptgründe, warum gerade von April bis Juni die große Invasion der Blattläuse stattfindet. Pflanzen bilden nämlich bei niedrigen Temperaturen höhere Zuckerwerte in den Pflanzensäften, die die Läuse anlocken. Daher ist das Grundprinzip im Gewächshaus im Frühling (und natürlich bei den Profis im Winter): Tagsüber lüften, in der Nacht heizen. Maximal fünf Grad sollte der Temperaturunterschied betragen.

2. Der Standort
Extrem trockene Standorte, oder solche, die der Hitze besonders ausgesetzt sind, bedeuten für Pflanzen, die nicht diese Witterung lieben, einen großen Stress. Genau diese Situation nutzen die Läuse, um die geschächte Pflanze zu „überfallen“.

3. Die Pflege
Wie beim Standort verursachen Pflegemängel ebenfalls Stress. Zu wenig gegossen (oder zu viel), mangelnder Dünger oder zu dichtes pflanzen kann bei den Pflanzen nicht nur Probleme mit Schädlingen, sondern natürlich auch Krankheiten wie Grauschimmel, Mehltau oder bei den Rosen Sternrußtau und Rosenrost auslösen.

4. Die Gegner
Es gibt viel mehr Nützlinge, als man denkt. Das beginnt mit den Vögeln, die die Lauskolonien regelrecht abgrasen. Dann die Marienkäfer und deren Larven. Spinnen, Wespen, Florfliegen und viele andere Gegner helfen mit, dass es zu dem ökologischen Gleichgewicht kommt. Daher ist es auch wichtig nicht sofort einzugreifen.

5. Die sanften Mittel
Abstreifen mit den Fingern ist wohl die einfachste Methode. Wen es davor eckelt, der kann mit dem kräftigen Strahl des Gartenschlauchs abwaschen. Brennnesselwasser (über Nacht die Blätter einweichen) hilft etwas beim direkten besprühen, die Jauche ist dagegen ein Dünger. Schmierseifenwasser (1 Esslöffel auf 1 Liter Wasser + 1 Spritzer Spiritus) sind punktuell am wirkungsvollsten, wenn man es 2-3 mal mit kurzem Abstand anwendet. Keinesfalls sollte man den früher üblichen Tabaksud (Zigaretten einweichen und damit sprühen) verwenden. Das ist das stärkste Nervengift, das alles, was kreucht und fleucht, vernichtet.

6. Die fertigen Produkte
Der Trend ganz ohne harte Chemie zu arbeiten, ist mittlerweile auch den Pestizid-Produzenten klar geworden. So sind alle „Bio“-Spritzmittel wirklich ohne Nebenwirkungen. Neben dem Neem-Baum ist neuerdings Orangenöl als Grundstoff für ein Insektizid in Verwendung. Für alle gilt aber als wichtigster Punkt ...

... 7. Die Gelassenheit
Schädlinge haben nämlich eine große Bedeutung im Garten. Sie liefern Nahrung für die Nützlinge. Beseitigt man ALLE Schädlinge, gibt es auch keine Nützlinge mehr, denn sie würden halt nichts mehr zu fressen haben. Daher gilt die Gelassenheit als die wichtigste Botschaft. Nicht eine Laus, nicht zehn oder hundert Läuse, sondern vielleicht einige tausend Läuse sind das Problem.

Pflanze der Woche: Gazanien – das Mittagsgold
Die Gazanie (Gazania rigens) ist als Kind Südafrikas eine der tollsten Blütenpflanze des Sommers. Ob goldgelb, orangerot, gestreift oder in Pastelltönen – die Vielfalt an Blütenfarben ist enorm. Gerade in den letzten Jahren hat man viele neue Züchtungen präsentiert, wohl deshalb, weil sie eine Pflanze ist, die der Hitze in Zeiten des Klimawandels trotzt. Nur in der prallen Sonne fühlt sie sich wohl und öffnet auch nur dort die Blüten. An Nährstoffe sollte es niemals mangeln. Und doch heißt es aufpassen, dass die Erde gut durchlässig ist: Sand, Splitt oder Tongranulat – damit es ja keine Staunässe gibt. Sonst kommt rasch eine Wurzelfäule. Taugt ihr aber der Standort, blüht sie bis zum Herbst.

Gartenfragen
Meine Gurke, die ich vor ein paar Tagen gekauft habe und schon Früchte hatte, sieht nun unglücklich aus. Fahles grün, teilweise leicht welk. Sie steht auf dem Balkon, keine volle Sonne und wird gut gegossen. Was fehlt ihr?
Die Pflanze kommt meist direkt aus dem Gewächshaus und leidet an der Umstellung. Also keine Panik, das wird schon! Aber: nicht zu viel gießen, wenn sie noch nicht wächst. Sie braucht viel Wasser, aber niemals Staunässe.

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Ihre Rosenpflegetipps waren toll, aber eines hat gefehlt: wenn Triebe schön wachsen, aber am Ende keine Knospe kommt. Was tut man dann?
Das sind sogenannte Blindtriebe, die oft dann entstehen, wenn es sehr kalt war oder der Standort zu schattig ist. Trieb bei Beetrosen stark zurückschneiden und mit biologischem Volldünger versorgen. Dann kommt mit dem neuen Trieb eine Blütenknospe.

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In einigen Rosenblüten ist nun plötzlich nicht nur der metallische grün-glänzende Rosenkäfer, sondern auch ein schwarzer mit weißen Punkten, der ähnlich groß ist. Wer ist hier in meinen Rosenblüten auf Besuch?
Das ist der Trauerrosenkäfer, der von Blütenpollen lebt. Er taucht nur in ganz wenigen Exemplaren auf und gilt als gefährdete Art. Am besten einfach ignorieren oder noch besser: sich freuen, dass man einen Naturgarten hat, wo ein Stück Ursprung zu finden ist.

Gartengeschichte - Lerne die Gelassenheit!
Die Wochen des Daheimbleibens haben für einige viele Probleme gemacht, wirtschaftlich aber auch im privaten Zusammenleben – Homeoffice, Fernunterricht und vieles mehr. Dass viele den Garten, die Terrasse oder das Gärtnern auf dem Balkon als Ausgleich gesucht haben, haben die Gärtner zu spüren bekommen. Vielerorts waren Pflanzen ausverkauft.

Die Ruhe im Berufsleben wurde genutzt, um das Pflanzenleben zu beobachten und da bemerkte ich aber bei vielen die Ungeduld und die Gelassenheit. Eine Blattlaus und schon wurde Alarm geschlagen, ein gelbes Blatt an der Gurke und schon war die Frage was fehlt ihr und wenn von den Tomatensamen nicht alle aufgingen, war gleich die schlechte Erde schuld.

Die Natur kennt keine 100 %. So wie bei uns im Leben gehört die Unvollkommenheit, die Individualität und das Scheitern dazu. Das lehrt uns die Natur, das lehrt uns der Umgang mit den Pflanzen. Dass alle Gewächse gleich groß, gleiche Wuchsform haben, ist nicht die allgemeine Realität. Es ist die, die wir Menschen durch geklonte Sorten erreicht haben. Im Alltag des Pflanzenlebens gehört das Scheitern, der Kampf gegen Krankheiten und Schädlinge dazu. Lässt man der Natur aber diesen Spielraum, entsteht eine großartige Naturoase im Garten. Daher gehören für alle, die gerne Garteln Gelassenheit und Geduld zu den wichtigsten Begleitern. Dann wird man sich über die 1. Laus freuen und als Futter für die Nützlinge begrüßen.

Gartenkalender - Garteln im Takt der Natur
Der Hochsommer steht schon vor der Tür! So sehr wir uns über die Wärme freuen, Begleiter sind Gewitter. Niederschläge und Wärme – das sind die Zutaten, die Pilzkrankheiten im Garten nun zu Problemen werden lassen. Einerseits der Grauschimmel – die Botrytis – , andererseits aber auch Mehltau und die gefürchteten Rosenkrankheiten, wie Sternrußtau und Rosenrost. Bei allen gilt: Sauberkeit! Alle befallenen Blätter sofort entfernen (sie werden nicht mehr gesund), denn sie sorgen für das Ausbreiten der Krankheiten. Sofort mit Biospritzmittel auf Basis des Ackerschachtelhalms, Algenpräparaten, Mikroorganismen etc. die befallenen Pflanzen behandeln.

Viele Rosen sind verblüht. Bei den mehrmals blühenden alle Blüten abschneiden, dann gibt es in 3-4 Wochen die nächste Blüte. Balkonblumen gut düngen, der Regen hat, wenn er zu den Kisterln gelangt ist, viele Nährstoffe ausgeschwemmt. Ebenso brauchen alle Kübelpflanzen jetzt viel Dünger. Tomaten ausgeizen, Kirschen und Weichseln gleich nach der Ernte schneiden – die neuen Triebe um 2/3 einkürzen.

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