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Karl Ploberger
© Christoph Böhler

Garten-Tipps

Der Pflanzenflüsterer
von Karl Ploberger

Naturgärtnern bringt Erlebnis in den Garten

Das Leben ist nicht schwarz-weiß, das Leben ist bunt“, sagt Biogärtner Karl Ploberger, wenn er nach 290 TV-Sendungen „Natur im Garten“ in die neue Staffel startete. „Corona-bedingt erfolgte ein späterer Beginn, denn wir durften nicht drehen“, erzählt der Biogärtner, freut sich aber nun über einen neuen, besseren Sendetermin: „Ab nun wird jeden Sonntag um 17:05 Uhr in ORF 2 dem Garteln gehuldigt“, schmunzelt der Gartenguru, den der, durch die Pandemie extrem gewachsene Garten-Enthusiasmus, freut. Vor allem, weil es viele wirklich anders angehen, wie man auch bei Gärtnern und Gartencentern feststellt: Bio und naturnah!

„Biologisch Gärtnern, Gemüse und Beeren ziehen, stehen offenbar an oberster Stelle im heurigen Jahr“, erzählt eine Wiener Gärtnerin, die Gemüsepflanzen für viele Gärtnereien in ganz Österreich produziert. Die nun durch die Krise neu eingestiegene Gärtnergeneration beginnt aber oft mit null Wissen, erzählt eine Gartencenter Mitarbeiterin. Nur eines ist für alle ein absolutes No-Go: Gift und Chemie.
Heimische Gehölze, alte Obstsorten, Blumenwiesen und Rosen mit offenen Blüten sind neben vielen anderen Elementen die Zutaten, um einen Garten zum Naturgarten zu machen.

„In 'Natur im Garten' werden genau diese Tipps gegeben – für Neueinsteiger genauso, wie für ‚Alte Hasen’“, verspricht der Biogärtner und verweist auf die großen Erfolge in seinem Garten. Dort hat alles vor 28 Jahren mit einem 2.500 Quadratmeter großen Stück Wiese begonnen. „Heute ist dort ein kleiner Naturpark“, schmunzelt Ploberger, denn neben einem Pflanzenparadies ist der Garten ein Schlaraffenland für Tiere. „Bei unserem Futterkasten sind dieses Frühjahr so viele unterschiedliche Vögel anzutreffen, wie noch nie zuvor“, ist Ploberger stolz. So findet man neben Sperling und Meise, Dompfaff, Goldammer, Grünling, Specht, Eichelhäher, Rotkehlchen, Rotschwanz, Kleiber und Stieglitz. Alle Nistkästen sind bewohnt. „In einem nistet, ganz ungewöhnlich, ein Zaunkönig, der normalerweise bodennah seine Nester kunstvoll errichtet“, hat der Biogärtner beobachtet. Neben der Freude an der Vielfalt, genießt er diese Schädlingspolizei und so findet man in seinem Garten nur an ganz wenigen Stellen Blattläuse. In „Zusammenarbeit“ mit Marienkäfern, deren Larven, Florfliegen und anderen Insekten entsteht so das ökologische Gleichgewicht.

Freilich gehört auch die richtige Pflege des Gartens dazu. Dass keine Pestizide oder Unkrautvernichter verwendet werden, ist klar, doch auch ein wenig „Nachlässigkeit“ benötigt die Natur: „Kompost ist mir das Wichtigste, Laub und dicke Äste die herunterfallen, bleiben in der Hecke als Totholz liegen und der Gartenteich ist fast völlig der Natur überlassen“, erläutert der Biogärtner die Ideen, die auch in der Sendung im Mittelpunkt stehen. Und etwas ganz Wichtiges will er unbedingt noch sagen: “Naturgärtnern ist keine Frage der Gartengröße. Selbst in kleinsten Stadtgärten stellt sich mit etwas Geduld und Gelassenheit eine Oase der Natur ein“, steht für den TV-Gärtner fest. Bestes Beispiel ist für ihn ein Garten im Herzen von London, wo auf kleinster Fläche Ringelnatter, Blindschleiche und Molche daheim sind, „so wie bei mir im Garten!“

3 Fragen an den TV-Gärtner
Was wird sich nach 290 Sendungen Natur im Garten ändern?
Wir zeigen noch mehr Vielfalt. Neben den österreichischen Gärten machen wir einen Blick über die Grenzen. Wir blicken den Gärtnern auf „Der Garten Tulln“ bei Projekten über die Schulter und schließlich freuen wir uns alle, dass die Kräuterhexe (so nennt sie sich wirklich selbst) Uschi Zezelitsch wieder zurück in der Sendung ist. Gleich beim ersten Mal mit köstlichen Erdbeerrezepten.

Nach so vielen Sendungen, gibt es da immer noch etwas Neues?
Garten ist so wie Weihnachten, es kommt jedes Jahr wieder und es ist jedes Jahr wieder eine Überraschung und eine Freude das Wachsen und Gedeihen zu erleben. Die sich ändernde Witterung, neue Erkenntnisse und natürlich auch neue Trends, wie das Gärtnern in der Stadt, geben noch Stoff für einige hundert Sendungen.

Macht das Gärtnern eigentlich noch Spaß, wenn man praktisch rund ums Jahr mit dem Thema konfrontiert ist?
Ja, sogar in diesem Jahr so viel, wie schon lange nicht. Bin ich sonst nur sporadisch und unter großem Zeitdruck im Garten (oft mit der Taschenlampe in der Nacht), weil Reisen, Vorträge oder Gartenmessen im Kalender stehen, so hatte ich dieses Jahr enorm viel Zeit. Ich habe es genossen stundenlang die Beete am Boden knieend mit einer kleinen Schaufel zu lockern, Kompost zu verteilen und Unkraut zu zupfen. Wobei ich viele Brennnesseln und Giersch am Rand stehen ließ, weil ich eben die Vielfalt schätze.

Gartengeschichte - Macht TV Spaß?
Oft werde ich von Gartenbesitzern, die ich besuche oder die ich bei den Dreharbeiten auf der Garten Tulln treffe, gefragt, ob diese „Filmerei“ Spaß machen. Im Wesentlichen ja, wenn es auch einige Momente bei den 290 Sendungen gab, die ich nie vergesse. Vor allem dann, wenn es darum geht im Frühjahr Sendungen aufzunehmen, die dann erst im Sommer gezeigt werden. Dann steht das Team mit dicken Daunenjacken hinter der Kamera und ich mit T-Shirt oder Kurzarmhemd vor der Linse – bei acht Grad plus und weniger.

So zum Beispiel ein legendärer Dreh in der Kalten Kuchl am Semmering, wo es regnete und die Kälte durch den starken Nordwind beinahe unerträglich war. Noch dazu stand am Programm: Die Pelargonie, die hitzefeste Pflanze aus dem sonnigen Südafrika!

Aber auch das Gegenteil war der Fall: Ein kleiner Stadtgarten in Wien im Hochsommer. 35 Grad im Schatten – nur es gab keinen Schatten. Die Gespräche mit einer Architektin dauerten endlos, weil die Maskenbildnerin bei meiner Gesprächspartnerin und mir mit dem Schweiß abtupfen nicht nachkam. Wir sprachen übrigens über den Garten im Herbst, der mit seinen unterschiedlichen Grüntönen so attraktiv ist.

Und ein Garten bleibt mir auch ewig in Erinnerung: Ein moderner Garten mit vielen Wildsträuchern wurde uns angekündigt. Aufgefunden hatten wir einen Lagerplatz für alles. Nach drei Stunden aufräumen durch das gesamte Team war aber auch dieses Fleckerl eine wirklicher Naturgarten geworden und der Besitzer bedankte sich am Ende mit der Einladung, dass wir bald wiederkommen könnten.

Garteln im Takt der Natur
Wir sind im Frühsommer und die kühle, regnerische Witterung hat den Vorsprung, den die Natur hatte, ein wenig gebremst. Die Feuchtigkeit hat nun zu einem starken Wachstum geführt, auch beim Unkraut. Was ist zu tun?

... im Garten
Noch ist es zu früh um Laubhecken zu schneiden, denn es würde sofort wieder mit einem Austrieb der Schnitt zunichte gemacht werden. Richtiger Zeitpunkt: Ende Juni!

Rosen können jetzt schon gedüngt werden. Notwendig ist das allerdings nur bei den Beetrosen, eingewachsene Kletterrosen, Strauchrosen und Wildrosen muss man nicht düngen. Rückschnitt nach dem Blühen erfolgt nur bei mehrmals blühenden Rosen.

Noch kann man allerlei Gemüse anbauen. Bohnen (Stangen- und Buschbohnen) wachsen nun besonders gut. Aber selbst in ein, zwei Wochen ist es noch zeitgerecht. Pflücksalate, Porree, Kohlrabi und sogar Tomaten kann man noch setzen, es ist nichts aus der Zeit.

... am Balkon
Das Wachstum bei den Balkonblumen ist nun besonders stark. Ob die überwinterten oder die neu gekauften – alle benötigen nun viel Dünger. Kübelpflanzen kann man auch jetzt noch umpflanzen, der Wurzelballen sollte aber nicht mehr zu stark gestört werden, weil die feinen Haarwurzeln die Gehölze versorgen müssen.

... im Haus
Tag für Tag wird der Sonnenschein intensiver, daher heißt es nun die Zimmerpflanzen vom Fenster wegzustellen. Die Blätter würden sofort Verbrennungen bekommen. Auch aufpassen, dass Zimmer, die abgedunkelt werden, damit es nicht zu heiß wird, auch ein Problem für die Topfpflanzen sind. Lieber in andere Räume stellen, denn ohne Licht gibt’s kein Pflanzenwachstum.

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