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Karl Ploberger
© Christoph Böhler

Aktuell | Garten-Tipps

Der Pflanzenflüsterer
von Karl Ploberger

Kein Sommer ohne Rosen

Ist es der Duft? Sind es die Blüten? Oder die vielen Wuchsformen? Von allem ein wenig und deshalb ist Jahr für Jahr die Rosenzeit einer der Höhepunkte im Gartenjahr. Die wichtigsten Tipps für die Sortenauswahl, Standort, Pflege und Schnitt machen die Freude an der Königin unter den Pflanzen noch größer!

Auf die „inneren“ Werte achten!
Rosen kauft man heute sehr schnell mit dem Auge und der Nase. Doch ob sie tatsächlich robust und krankheitsresistent sind, weiß man nicht. Generell gilt aber: Wildrosen, historische Rosen und alle Rosen, die die „ADR“-Auszeichnung haben, erkranken seltener. ADR bedeutet: Allgemeine Deutsche Rosen-Neuheitenprüfung. Sie garantiert, dass diese Rosen (derzeit haben ca. 160 dieses Gütesiegel) aus den zehntausenden Rosensorten die Besten sind. Immer auf die Verwendung achten: Bodendeckerrosen sind ideal für Randstreifen, Hänge oder großflächige Bepflanzungen. Strauchrosen für Einzelstellungen in Rasenflächen oder großen Staudenbeeten. Ramlberrosen wollen Bäume erobern, Kletterrosen wachsen am liebsten an Rosenbögen oder Spalieren. Und die Beetrosen stehen gerne in Gesellschaft mit anderen Pflanzen im Beet. Historische Rosen sollten immer in Kombination gepflanzt werden, weil sie, wie die Wildrosen nur ein Mal blühen, sich aber dafür im Herbst mit Hagebutten schmücken.

Den richtigen Platz wählen!
Rosen benötigen den sonnigsten Platz im Garten. Es sollte aber immer ein leichter Luftzug möglich sein, denn vor der knallheißen Südwand gibt’s sonst schnell Mehltau. Ist die Luft „stickig“, dann kommen andere Pilzkrankheiten. Als Erde liebt die Rose den Lehm, der nur mit etwas Kompost und ein wenig Sand aufgelockert wird. Veredelung immer eine Handbreit unter die Erde! Organischen Dünger einstreuen. Im Topf gedeihen Rosen eine Zeitlang ganz gut, sollten aber nach 3-4 Jahren (im zeitigen Frühjahr) umgetopft werden. Stark eingewachsene Rosenstöcke in großen Pflanzengefäßen bleiben durch Gaben von einem Bodenaktivator vital.

Die Königin will verwöhnt werden!
Passt der Standort mit dem lehmigen Boden, dann ist eigentlich schon alles erfüllt, was die Rose braucht. In den ersten Jahren sollte aber dennoch mit kräftigen Düngergaben geholfen werden. Niemals mineralisch zu stickstoffreich düngen, da dann die Gefahr von Krankheiten (Mehltau!) sehr groß ist. Am Besten gibt man im zeitigen Frühjahr etwas Kompost und einen organischen Rosendünger, den man leicht einarbeitet. Gleich nach der Blüte (oder kurz vor dem Abblühen) sollte noch einmal gedüngt werden. Je öfter man die Rosen als Ganzes mit Schachtelhalm-Präparat, Effektiven Mikroorganismen tropfnass übersprüht, desto gesünder bleibt die Pflanze und die lästigen Krankheiten, wie Rosenrost, Sternrußtau oder Mehltau haben keine Chance. Tauchen Schädlinge auf, wie Blattläuse oder Weiße Fliegen, dann mit Schmierseifenwasser punktuell die Läuse besprühen. Oft reicht auch ein Abwaschen mit dem Gartenschlauch. Generell gilt auch hier: je stressfreier die Pflanze wächst, desto weniger Probleme gibt es.

Ohne Schnitt gibt’s keine Blütenpracht!
Der wirklich wichtige Schnitt erfolgt im Früjahr (wenn die Forsythie blüht). Doch auch jetzt heißt es zur Schere greifen: Beetrosen, mehrmals blühende Strauch- und Kletterrosen müssen ausgeschnitten werden. Faustregel: immer so weit zurückschneiden, dass ein voll ausgebildetes 5-teiliges Blatt stehen bleibt. Wildrosen und Historische Rosen nicht ausschneiden. Sie schmücken sich im Herbst mit Hagebutten.

Gartengeschichte - 80 hungrige Kehlen
Dass ich den Garten dieses Jahr so intensiv erlebe, wie noch nie, weil alle Reisen und Vorträge entfallen, habe ich an dieser Stelle schon mehrmals erzählt. Dennoch ist dieses Jahr ein ganz Besonderes, denn in meinem Garten hat sich nun tatsächlich dieses ökologische Gleichgewicht eingestellt, von dem ich immer geträumt habe. Und während bei den vielen Fragen (an dieser Stelle gleich die Entschuldigung, ich schaffe die oft 50 Mails an einem Tag nicht sofort) Schädlinge und Krankheiten dominieren, habe ich kaum Probleme.

Denn alle 15 (!) Nistkästen sind dieses Jahr „vermietet“ und man kann sich die Emsigkeit der Vogeleltern gar nicht vorstellen, sind doch gut 80 Jungvögel zu versorgen. So tauchen bei mir, zum Beispiel bei den Rosen, kaum Blattläuse auf, denn die gefiederte Schädlingspolizei ist überaktiv. Mit ein Grund für die Wuchskraft dürfte auch die exakte Bodenvorbereitung im Frühjahr gewesen sein, denn alle Beete wurden vorsichtig gelockert, entunkrautet und mit Kompost und viel organischem Dünger versorgt sowie dick gemulcht. Außerdem habe ich die Rosen dieses Jahr besonders exakt geschnitten und so dafür gesorgt, dass sie kräftig und gesund wachsen.

Auch die Schnecken sind dieses Jahr (auch dank der Witterung) kein Problem. Aber Blindschleichen und Ringelnattern werden wohl auch ihren Teil beitragen. Genauso wie die Laufkäfer, die im Mulch ihr Versteck haben. Da macht das Garteln gleich noch mehr Spaß.

Gartenfragen rund um die Rosen
Sie schreiben immer, dass man Rosen auf ein 5-teiliges Blatt zurückschneiden soll. Meine hat aber ein 7-teiliges. Warum ist das so?
Einige historische Rosen haben solche Blätter und die sind deshalb für die Züchtung bei den Englischen Rosen verwendet worden. Hier eben auf ein 7-teiliges Blatt zurückschneiden.

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Eine meiner Rosen (eine Schneewittchen) hat immer eingerollte Blätter. Ich finde aber keinen Schädling. Was tun?
Im Prinzip kann man die Rosen-Blattrollwespe vernachlässigen. Sie legt bevorzugt bei einigen Rosen ihre Eier ab und bringt durch ein Hormon das Blatt zum Einrollen. Um Fressfeinde zu täuschen, werden zahlreiche andere Blätter zum Einrollen gebracht, obwohl sich keine Gelege darin befinden. Wen es stört, die eingerollten Blätter entfernen und entsorgen.

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Wenn ich Rosen überhaupt nicht schneide, blühen die dann noch? In der Natur schneidet ja auch niemand!
Das Argument höre ich oft und tatsächlich kann man bei den Wild-, den Rambler- und den Bodendeckerrosen auf den Schnitt verzichten. Beetrosen würden aber immer weniger blühen und krank werden. Gleiches gilt für Strauchrosen.

Pflanze der Woche
Baumhimbeere
Die Idee ist genial: eine der besonders stark wachsenden Himmbeersorten, die im Erwerbsanbau verwendet werden, wird als kleiner Baum gezogen und so wachsen die köstlichen Beeren einem praktisch in den Mund. Wer ausgiebig düngt (vor allem im Topf) wird neue starke Triebe bekommen, die dann im kommenden Jahr tragen. Alte Äste können ein 2. Mal tragen, ist aber von Standort und Pflege abhängig. Im Winter unbedingt geschützt aufstellen, wenn man sie auf Balkon oder Terrasse kultiviert.

Garteln im Takt der Natur
Der Frühsommer rauscht genauso schnell vorüber, wie alle anderen bisherigen phänologischen Jahreszeiten. Die Rosenblüte beginnt, das ist jetzt zu tun!

  • Rosen bei Blattlausbefall mit Schmierseifenwasser (1 El auf 1 l Wasser) besprühen.
  • Vorsorglich immer wieder Schachtelhalm-Extrakt und Effektive Mikroorganismen über die Blätter sprühen – das schützt generell vor Pilzbefall.
  • Tritt Mehltau auf, dann Backpulver (1 Teelöffel auf 1 Liter Wasser) über die Blätter sprühen.
  • Stützen und Aufbinden heißt es nun in den Staudenbeeten.
  • Balkonblumen und Kübelpflanzen – mindestens 1 x wöchentlich düngen.
  • Zimmerpflanzen nun genau so regelmäßig düngen – die Südfenster sind nun für fast alle Topfpflanzen (z.B. Orchideen) tabu. Dort ist es nun viel zu heiß und die Blätter würden verbrennen.
  • Tomaten ausgeizen und vor Regen schützen. Gurken und Bohnen können noch gepflanzt (bzw. gesät) werden.

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