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Karl Ploberger
© Christoph Böhler

Garten-Tipps

Der Pflanzenflüsterer
von Karl Ploberger

Es ist Zeit für die blühenden Balkone

Das Jahr 2020 bleibt ein außergewöhnliches, denn die Wahrscheinlichkeit, dass wir Urlaub in fernen Ländern machen können, ist gering. So werden Garten, Balkon und Terrasse zum Feriendomizil. Hier sind die Trends, damit der „Hotel“-Garten des heurigen Corona-Jahres zu einem blühenden Paradies wird.

Keine Kisterl, sondern Ampeln
Die Krise lässt viele das Garteln wiederentdecken. Vor allem auch jene, die in den letzten Jahren neu gebaut haben. Und da erkennt man, dass für die früher üblichen Balkonblumenkisterln kein Platz ist. Der Trend ist daher: Blumenampeln. Diese üppig bepflanzen, Schalen, die sich auf Terrassen oder Pergolen aufhängen lassen, bringen Farbe in den Garten und auf den Balkon. Kombinationen aus verschiedenen Pflanzen, wie Petunien, Surfinien, Millionbells, Pelargonien, Begonien oder Blattschmuckpflanzen sind das eine, der Genuss kommt aber auch hier nicht zu kurz: Hängeerdbeeren, oder üppige Minitomaten oder Minigurken (davon mehr das nächste Mal).

Bunte Blätter, statt Blüten
Aus den Blumenkisterln kennt man sie – die sogenannten Strukturpflanzen, wie der Plectranthus, die Weihrauchpflanze. Mit ihren grüngelben Blättern bringt sie Ruhe in ein üppig bewachsenes Kisterl und sorgt dafür, dass in der „3. Dimension“ – nach unten – die grüne Pflanzenpracht wächst. In den Ampeln und Blumenkästen von heute kommen einige neue Arten dazu: die Ipomea, die Zierform der Süßkartoffel mit fast schwarzen, gelbgrünen oder weißbunten Blättern. Beliebt der Hängebambus, der extrem robust ist. Oder die guten alten Tradeskantien, die Wasserhansln, mit ihren bunten Blättern und die Buntnesseln. Coleus oder Zierbrennnessel auch genannt, überrascht mit der Vielfalt an Blattzeichnungen. Rot-grün, Pink-rot und alle nur erdenklichen Variationen. Neuerdings auch in einer schwachwachsenden Hängeform. Die Pflanze ist extrem hitzefest und robust und lässt sich sogar auf der Fensterbank überwintern.

Hitzefest und pflegeleicht
Das sind wohl die wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg einer Balkonblume von heute: Robust und anspruchslos. Daher sind auch die großen Stars von früher wieder im Kommen: Pelargonien, oder wie sie fälschlicherweise oft bezeichnet werden – die Geranien. Sie gibt es in hunderten Sorten, wobei nach wie vor die roten in der Gunst der Blumenliebhaber ganz oben steht. Die besonders robuste „Almgeranie“ ist dieses Jahr der Favorit. Bei den Begonien sind es die „Dragon Wings“. Sie überstehen Hitze, Regen und Sturm problemlos. Bricht ein Ast ab, treibt die Pflanze sofort wieder durch. Für Töpfe ist der neue Star die Mini-Sonnenblume mit dem offiziellen Namen „Sunbelievable“. Sie blüht ohne Ausputzen bis zum Frost, wenn man ausreichend düngt.

Die Zutaten fürs Gelingen

1. Die Erde
Erde aus der Packung ist, wenn man nicht die billigste wählt, perfekt. Erkennen tut man die Qualität unter anderem daran, dass die Erde nicht zusammenklumpt. Daher eine handvoll Erde zusammendrücken, öffnet man die Hand, dann muss die Erde wieder locker auseinanderfallen. Ich gebe zu jeder Packungserde (wenn geht ohne oder mit wenig Torf) noch Komposterde und Tongranulat.

2. Der Dünger
Organische Langzeitdünger finde ich am besten, denn sie geben die Nährstoffe besonders dosiert ab. Schafwollpellets, Hornspäne, pellierter Rinderdung – das alles liefert den wichtigsten Pflanzennährstoff: Stickstoff. Sind die Pflanzen dennoch blühmüde geworden, empfehle ich einen organischen Flüssig-Volldünger, der alle zwei Tage dem Gießwasser beigemengt wird.

3. Das Wasser
Sicherlich ist Regenwasser das beste Wasser für die Pflanzen, aber auch normales Leitungswasser kann natürlich verwendet werden. Wer das kühle Nass in Fässern oder Kübeln vorwärmt, tut den Balkonblumen besonders gut. Der beste Zeitpunkt – später Nachmittag oder zeitig am Morgen. Niemals die Blätter zu nass machen, das könnte die Gefahr von Pilzerkrankungen fördern.

4. Schädlinge sanft bekämpfen
Meist sind es Blattläuse, die Mitte Juni auftauchen – dann, wenn noch zu wenig Nützlinge, wie Marienkäfer vorhanden sind. Wirksamstes Gegenmittel (neben fertigen Biospritzmitteln) ist das Schmierseifenwasser: 1 EL auf 1 Liter Wasser. Raupen an Pelargonien mit Xentari bekämpfen. Und Ameisen mit Kieselgur.

Gartengeschichte - Gartenglück in der Krise
Für die Gärtnereien und Gartencenter war dieses Jahr (wie für viele andere) ein Auf und Ab der Gefühle. Zuerst die totale Sperre, dann die Selbstbedienung und jetzt der Verkauf mit Maske und Abstand halten. Bei den kleinen Gärtnereien zeigt eine Zwischenbilanz, dass es ein besonders gutes Jahr wird. Bei den Gartencentern heißt es zwar, man werde dieses eine Monat sicherlich nicht ganz aufholen, aber der Verkauf brummt, wie nie zuvor. Die, die einkaufen kommen, leisten sich oft das drei bis vierfache vom sonstigen Einkauf, denn „wir wollen es dieses Jahr besonders schön haben!“ Besonders gefragt sind aber nicht nur Blütenpflanzen, sondern große Kübelpflanzen. Orangenbäume, Palmen und Oliven sollen offenbar den Strandurlaub ersetzen.

Und so beginnt jetzt allmählich die nächste Sorge der Gärtner: es gibt zu wenig Ware! Vor allem bei den großen Gehölzen und bei allem was zum Genuss gehört, kommt die Produktion fast nicht nach. Denn neben dem Urlaubsfeeling wollen Herr und Frau Österreicher offenbar auch die Selbstversorgung mit Gemüse, Kräutern und Beerenobst vorantreiben. So scheint diese unvorstellbare Krise auch etwas Gutes zu haben: Rückbesinnung auf das, was Jahrhunderte als Wissen weitergegeben wurde. Die Zeiten werden sich wieder ändern und wir werden wieder reisen, aber diese Erfahrungen wird keiner mehr vergessen.

Garteln im Takt der Natur
Die Apfelbäume stehen in voller Blüte, der Flieder duftet, wir erleben nun die schönste Jahreszeit. Wenn nun auch der ersehnte Regen kommt, explodiert die Natur. Das ist jetzt zu tun.

  • Düngen – Kübelpflanzen, die nun wieder alle ins Freie kommen, Rhododendren, aber auch Rasenflächen – so noch nicht geschehen.
  • Pflegen – Zwiebelblumen einziehen lassen, erst dann die vertrockneten Blätter entfernen. Nur so werden sie auch für die Blüte im nächsten Jahr ausreichend Kraft zur Verfügung haben. Alle Beete mulchen! Ohrwurmhäuschen gegen Blattläuse in Obstbäumen aufhängen.
  • Schneiden – Frühjahrsblühende Gehölze (wie Forsythie, Mandelbäumchen oder Palmkätzchen) jetzt schneiden. Dürre Astspitzen bei Marillen (Moniliabefall) abschneiden und vernichten.
  • Pflanzen - Gurken im Topf vorziehen – sie kommen nach den Eisheiligen in den Garten oder besser ins Frühbeet oder Gewächshaus.


Gartenfragen

Meine Rosen haben zuerst sehr schön ausgetrieben, dann hat der Frost aber die neuen Blätter vernichtet. Soll ich sie kräftig zurückschneiden?

Vorerst würde ich noch ein wenig warten und beobachten, wo sie wieder austreibt. Danach aber sollte man tatsächlich kräftig schneiden. Die Blüte wird auch dieses Jahr kommen. Vorbeugend mit Schachtelhalm und EM gegen die Pilzkrankheiten sprühen.

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Mein fünf Jahre alter Apfelbaum hat dicke Knospen, aber bis jetzt nicht ausgetrieben. Wenn ich an der Rinde kratze, ist es grün. Was tun?
Warten! Die Vermutung, dass sich die Wühlmaus im Winter an den Wurzeln zu schaffen gemacht hat, ist sehr groß. Probieren Sie, ob der Baum noch fest verwurzelt ist, in dem Sie am Stamm ziehen. Den nächsten Baum im Gitterkorb pflanzen.

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Wie lange muss ich die Narzissenblätter nun wirklich einziehen lassen? Sie sehen jetzt schon nicht mehr schön aus ...
Damit es im kommenden Jahr wieder Blüten gibt, müssen die Blätter stehen bleiben, bis sie vollkommen vergilbt sind. Dann haben die Zwiebeln genug Kraft gesammelt.

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