Aktuelles

Karl Ploberger
© Christoph Böhler

Aktuell | Garten-Tipps

Der Pflanzenflüsterer
von Karl Ploberger

Milder Winter, zeitiges Frühjahr. Das Gartenjahr startet flott!

Die Schneeglöckchen blühen seit Jänner, Schneerosen seit Weihnachten und Winterlinge und Krokusse liefern den Bienen bereits Nahrung. So früh beginnt selten ein Jahr. Und so mild ist selten ein Winter. Was bedeutet das für uns Hobbygärtner?

1. Viele Schädlinge?
Das stimmt großteils nicht, wie Experten versichern. Blattläuse & Co. überwintern in Baumrinden. Ist es kalt, dann ist die Luft trocken – genau darauf sind fast alle Schädlinge (aber leider auch Nützlinge) angewiesen. Ist es aber mild, dann steigt die Luftfeuchtigkeit und damit beginnen Eigelege zu verpilzen. Da das sowohl bei Nützlingen und Schädlingen passiert hält sich der Vorteil die Waage. Besonders strenge Winter lassen übrigens Borkenkäfer kalt. Ein Förster berichtet von einem Versuch, wo er die Schädlinge samt Rinde für eine Woche in die Tiefkühltruhe legte. Kaum waren sie aufgetaut, krabbelten sie schon wieder ...

Bei den Schnecken sieht es nicht ganz so gut aus. Die beste „Killer-Witterung“ wäre ein wechselwarmer Winter. Also ganz mild, dann eiskalt und dann wieder mild. Das irritiert die Tiere. Freilich aber auch die Pflanzen ...

2. Wenig Regen!
Das Niederschlagsdefizit, das in einigen Teilen Österreichs vorhanden ist, wird bei weiterhin ausbleibenden Regenfällen zum wirklichen Problem. Denn fast überall sind die Grundwasserspiegel oft weit unter dem normalen Pegel. Daher gilt: sobald es geht Regenwasser sammeln. Regenrinnen, die in Kanäle fließen in den Garten leiten. Besser ein paar Tage eine leichte Überflutung, um die sogenannte „Winterfeuchtigkeit“ doch noch tief in die Erde zu bringen.

3. Alles blüht und treibt!
Dass Schneeglöckchen, Winterlinge, Krokusse und Leberblümchen blühen ist extrem früh, aber für diese Pflanzen kein Problem. Schnee und Kälte mit einigen Minusgraden überstehen sie problemlos. Auch die Narzissen, Tulpen und andere Frühjahrszwiebelblumen blinzeln schon ziemlich weit aus dem Boden. Hat man Laub, dann ein wenig abdecken, ansonsten keine großen Sorgen machen, auch sie sind robuster, als man glaubt.

4. Die Knospen der Bäume schwellen!
Ob bei Obstbäumen oder Ziergehölzen, so manche Knospe zeigt schon eine ziemliche Frühlingslaune. Das ist wahrscheinlich das größte Problem, allerdings nur dann, wenn es noch einmal sehr kalt wird. Die Faustregel: geschlossene Knospen vertragen 4-5 Grad minus (für ein, zwei Nächte!), sind die Blütenblätter erkennbar, ist die Widerstandskraft bei minus zwei Grad vorbei. Geöffnete Blüten erfrieren aber schon bei null Grad. Vorbeugend kann man vor einer Frostnacht mit Baldrianexakt sprühen. Drei Tropfen auf einen Liter Wasser unmittelbar vor dem Frost tropfnass über alle Triebe sprühen.

5. Zeitiges Frühjahr – soll man schon schneiden?
Für Obstbäume (und vor allem für den Wein) gilt: ja unbedingt. Kernobst wird geschnitten, bei Steinobst wartet man noch bis zum wirklichen Knospen öffnen. Ziergehölze (die nicht im Frühjahr blühen) werden jetzt geschnitten. Bei Rosen sollte man noch warten, auch wenn die meisten schon ziemliches Wachstum zeigen.

6. Darf man schon pflanzen?
Der Boden ist frostfrei, daher lassen sich wurzelnackte (also jene ohne Topf) Bäume, Sträucher und Rosen schon setzen. Gleiche gilt natürlich auch für alle mit Wurzelballen. Primeln, Stiefmütterchen & Co. kann man setzen, aber sollte unbedingt einen Frostschutz vorbereiten. Gemüse (Salate, Kohlrabi, etc.) nur im Frühbeet oder mit doppeltem Vliesschutz setzen.

7. Das Unkraut sprießt!
Milde, sonnige Tage sollte man gerade jetzt, wenn der grüne Daumen zum Garteln verführt, für die Beseitigung von Unkraut nutzen. Die Pflanzen haben wenig Wurzeln und lassen sich so leicht entfernen. Aber aufpassen: wenn die Erde in den Beeten sehr feucht ist (bei dem wenigen Regen fast nicht möglich), dann nicht hineinsteigen. Es kommt sonst zu Bodenverdichtungen.

Garteln im Takt der Natur
Phänologisch ist der Winter bereits Geschichte, denn wenn die Schneeglöckchen blühen, dann beginnt im Kalender der Natur bereits der Vorfrühling. Einige Tipps:

Im Garten:
Restliches Laub vom Rasen entfernen, aber unter Sträuchern bleibt es liegen. Hier verstecken sich viele Nützlinge (auch gegen Schnecken). Ziergehölze schneiden. Schneeglöckchenhorste nach dem Abblühen teilen, dann erreicht man rasch große blühende Flächen. Die Engländer nennen das Verpflanzen „in the green“! Auch Winterlinge kann man gleich nach der Blüte umpflanzen.

Am Balkon und der Terrasse:
Schnittlauch, Rosmarin, Salbei, Thymian lassen sich schon in Kisterl pflanzen. Petersilie ist oft vorgetrieben und empfindlicher, gleiches gilt für Dill. Frühlingskisterl kann man dieses Jahr perfekt pflanzen: Schneeglöckchen, Krokusse, Narzissen, Primeln und Hornveilchen bringen schon Frühlingsstimmung. Droht starker Frost mit Vlies schützen.

Im Haus:
Jetzt beginnt die beste Zeit zum Umtopfen. Auch eine Frühjahrskur tut vielen Grünpflanzen gut: Blätter abwischen oder abduschen und mit dem Düngen beginnen. Südfenster sind nun schon wieder oft zu heiß, vor allem für Orchideen. Besser ans Ost- oder Westfenster stellen.

Gartengeschichte Frühling mit Fragen und Exotik
Dass ich oft in Gärtnereien und Gartencentern zu finden bin, ist kein Geheimnis. Gerade im Jänner und Februar nütze ich die ruhige Zeit, um mit den Profis über Trends und neue Erfahrungen zu plaudern. Dieses Jahr aber war alles anders. Die „ruhigen“ Tage waren gar nicht ruhig, denn kaum tauchte ich zwischen den Tischen voller Frühjahrspflanzen auf, kamen auch schon die gar nicht wenigen Gartenliebhaberinnen und Gartenliebhaber auf mich zu: „Darf ich die Rosen schneiden?“ „Mein Rasen sieht mitgenommen aus, soll ich düngen?“ und – wie jedes Jahr muss einer der Erste sein: „Kann ich schon vertikutieren?“ Als eifriger Handy-Nutzer würde ich jetzt „OMG“ schreiben. Übersetzt heißt das für alle „Nicht-Digitalen“: Oh, mein Gott!

Damit es ein für alle Mal für dieses Jahr gesagt ist: Vertikutiert wird nach dem zweiten oder dritten Mähen. Gedüngt wird aber sofort, wenn das Wachstum wirklich beginnt. Also vermutlich Mitte März. Eines habe ich aber bei den gärtnerischen spätwinterlichen Spaziergängen durch die Gartenbaubetriebe entdeckt. Die Lust auf Exotik ist enorm. Bei den Orchideentagen, die in vielen Gärtnereien stattfinden (oder -fanden), wurde voller Lust aber auch Erfahrung zu nicht alltäglichen Orchideen gegriffen. Und viele berichteten mir, wie die Vandas oder Cattleyas bei ihnen nun schon seit Jahren immer wieder blühen. Was zeigte sich noch? Die gute alte Zimmerpflanze erlebt eine ungeheure Renaissance. Viele jüngere Käufer schleppten zu dieser Zeit Palmen, Gummibäume und Bromelien nach Hause. Der Vorteil des milden Winters: nichts musste großartig eingepackt werden ...

Pflanze der Woche: Mahonie – die Bienenweide
Ihre gelben Blüten leuchten jetzt in der Frühlingssonne und verströmen einen betörenden Duft. Sie beginnt bei milder Witterung bereits im Jänner zu blühen, ab Juni bilden sich dann leicht giftige Früchte, die aber eine sehr beliebte Vogelnahrung darstellen. Der Standort sollte halbschattig oder schattig sein, der Boden humos und durchlässig. Wichtig ist eine gute Wasserversorgung, damit die Pflanze im Winter nicht vertrocknet. Rückschnitt – so er notwendig ist – immer erst im Frühjahr kurz vor dem Neuaustrieb.

› weiterlesen

Zurück