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Criticus

Schlauer Postfuchs

Der „Postfuchs“ ist schlauer, als wir alle gedacht haben! Wie kürzlich enthüllt wurde, spioniert der „gelbe Riese“ unsere höchst persönlichen Neigungen aus. Und unsere Post, die „allen was bringt“, verkauft den riesigen Datenschatz und verdient damit Millionen! Datenschützer protestierten bereits und kündigten Klagen an. Auch wegen des klaren Verstoßes gegen das Postgesetz bzw. das Amtsgeheimnis. Der freundliche Briefträger, mit dem man früher ab und zu ein Stamperl gekippt und seine Sorgen ausgebreitet hat, als eiskalter Spion, der aus der Kälte kam? Als „Dritter Mann“? Klingt lustig, ist es aber nicht! Hier wurden aufgrund von zugestellter Post nicht nur Hobbys aufgezeichnet, sondern sogar die mögliche politische Ausrichtung der Kunden. Da wird sogar die Staatspolizei neidisch. Wenn teilverstaatlichte Dienste sich zu solchen Geschäften hinreißen lassen, kann man nur mehr den Kopf schütteln. Vermutlich machen das die betreffenden Postbediensteten auch nicht freiwillig, sondern werden von der Zentrale „angehalten“. Dafür spart man in so manchen Gemeinden Postämter ein und misst den Arbeitsvorgang der Bediensteten mit Minuten. Vielleicht sollte die Post, nachdem der Skandal öffentlich geworden ist, eine eigene Marke herausgeben – einen „Aushorch“-Aufkleber zum Abschlecken (für die DNA). Da gibt es eigentlich nur eine Konsequenz – dieser Unsinn ist sofort einzustellen. Zur Gänze! Der zuständige Vorstand hat aufgrund des öffentlichen Aufschreies bereits versichert, dass man künftig die politischen Neigungen nicht mehr notieren und diese Daten auch löschen wolle. Klingt gut, aber wer prüft das? Hier ist der zuständige Minister gefordert. Und warum sollte die Post weiterhin meine anderen Hobbys notieren? Ob ich etwa ein Nachtschwärmer bin, eifriger Computerspiele-Freak oder sogar Frühaufsteher samt Hang zu Wurstsemmeln? Und wie sieht es mit der sexuellen Neigung aus?

Da liest man doch gleich lieber den Spiegel, das Vorzeigeblatt in Deutschland mit Parade-Journalismus! Allerdings seit kurzem nicht mehr! Zumindest seit ein junger und mehrfach preisgekrönter Journalist kleinlaut zugeben musste, dass er Geschichten mit Unwahrheiten „aufgefettet“ oder gleich eine Reihe von Dingen frei erfunden hat. Zähneknirschend musste der Spiegel, der sonst den anderen mit erhobenem Zeigefinger stets einen Spiegel vorhält, diesen peinlichen Reinfall eingestehen. Keinem Kollegen waren die „Fließband-Erfindungen“ des aufstrebenden Journalisten aufgefallen. Vielleicht sollte man nach dem Reinfall mit den gefälschten Hitler-Tagebüchern beim „stern“ oder nach Fake-News von renommierten Journalisten in bekannten US-Blättern das Wort „Recherche“ neu definieren? Es ist nur schade, wenn in Zeiten der schnellen Internet-Infos und oftmals nicht ganz korrekten Meldungen gerade die Flaggschiffe des Journalismus ins Wanken geraten und sich selbst vorführen. Das Vertrauen in gut gemachte Geschichten und selbst ernannten Qualitätsjournalismus ist damit angekratzt. Es besteht allerdings kein Grund zur Schadenfreude. Kein Medium ist vor einer „Ente“ gefeit – gerade in Zeiten gezielter Falsch-Infos und all zu schneller Recherche.

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