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Organverpflanzung - Spender werden gebraucht!
© Helge Bauer

Gesundheit | Interview

Aufatmen – mit neuer Lunge!

Nach der Lungentransplantation bei Sportlegende Niki Lauda (69) wird wieder über Organspenden gesprochen. Interview mit dem Experten Priv. Doz. Prim. Dr. Michael Zink, Vorsitzender des Transplantationsbeirates.

Ohne neue Lunge wäre der 69-jährige Ex-Formel-1-Weltmeister, Pilot und Flugunternehmer Niki Lauda nicht mehr am Leben. Deshalb erfolgte im Wiener AKH der rettende Eingriff, die Transplantation. Mittlerweile konnte Niki Lauda das Spital wieder verlassen. Seither wird in Österreich wieder offen über Organspenden diskutiert. Der „Wiener Wirtschaftsführer“ sprach mit Priv. Doz. Primarius Dr. Michael Zink, seit 2002 Transplantationsreferent Süd und seit Oktober 2017 Vorsitzender des Transplantationsbeirates in Österreich. Dieses interdisziplinäre Gremium beschäftigt sich mit Fragen im Bereich der Organ-, Gewebe- und Stammzelltransplantation. Der in Kärnten lebende gebürtige deutsche Top-Mediziner und Vorstand der Anästhesie in zwei Spitälern steht auch als Notarzt und Flugretter im Einsatz.

Das Wien: Die Organverpflanzung hat nach der Lungentransplantation bei Niki Lauda plötzlich wieder ein Thema ins Scheinwerferlicht gerückt, über das selten berichtet wird: die Transplantation von Organen. Wann ist der Austausch einer Lunge notwendig?
Dr. Zink Der Austausch der Lunge ist notwendig, wenn nach einer Erkrankung die Funktion derart gering ist, dass ein Leben damit nicht mehr möglich ist. Würde man in diesem Fall nicht transplantieren, so muss der Patient an den Folgen des Lungenversagens sterben.

Das Wien: Niki Lauda konnte glücklicherweise bereits das Spital verlassen. Hätte jeder in seinem Alter so eine Lunge bekommen oder spielt der Promi-Faktor doch eine Rolle?
Dr. Zink Zu aller erst muss ich betonen, dass der Promi-Faktor gar keine Rolle spielt. Gerade in der Transplantation wird streng darauf geachtet, dass medizinische Gründe die Zuteilung der Organe beeinflussen und nicht andere, wie z.B. Bekanntheit oder die „Dicke“ des Portemonnaies. Dies wird auch im Rahmen von Reviews (Überprüfungen) der Zentren sichergestellt.
Zur Frage des Alters lässt sich festhalten, dass weniger das kalendarische Alter, sondern das biologische Alter eine Rolle spielt. Ist ein Patient in sonst gutem Gesundheitszustand, so kann man auch Patienten mit höherem Alter erfolgreich transplantieren. Es ist zu beobachten, dass sich die Grenzen des Machbaren ständig nach oben verschieben und somit eine heute gegebene Antwort bereits morgen nicht mehr gültig sein kann.

Das Wien: Was kostet so eine Transplantation, wer bezahlt sie und wo kann sie überall durchgeführt werden?
Dr. Zink Die Kosten der Transplantation sind nur grob abgeschätzt und zusammengefasst sehr hoch. Es hängt immer im Einzelfall davon ab, wie aufwendig sich die medizinischen Maßnahmen rund um die Operation gestalten. Bezahlt werden die Transplantationen, sowie wie jede andere Operation aus den Mitteln des Gesundheitswesens. Durchgeführt werden Lungentransplantationen in Österreich im Zentrum Wien und im Zentrum Innsbruck. Die beiden anderen Transplantationszentren Graz und Linz führen keine Lungentransplantationen durch.

Das Wien: Hand aufs Herz, wie lange wartet man in Österreich auf eine Lunge oder auf andere Organe?
Dr. Zink Die Wartezeiten liegen bei Wochen bis Monate. Das ist abhängig von der Erkrankung, die im jeweiligen Fall zu einer Lungentransplantation führt. Die höchste Dringlichkeit, die sogenannte „High Urgency“ Anmeldung, nach der man üblicherweise binnen 24-48 Stunden ein Organ bekommt, bedarf ganz klaren Begründung. Diese Gründe für diese Akuttransplantation werden von Eurotransplant überprüft und erst wenn diese Überprüfung positiv ausgefallen ist, werden die Organe zugeteilt. Bei einer derart dringlichen Transplantation kommen die Organe aus dem ganzen Eurotransplantraum, d.h. das nächste passende Organ, egal ob es in den Niederlanden oder in Wien ist, wird diesem Patienten transplantiert.

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