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Gemeinsam mit dem NÖ-Landesrat Stephan Pernkopf kämpft Köstinger gegen die tschechischen Ausbaupläne für das AKW Dukovany.
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Atomkraft ist keine Lösung

Seit einigen Monaten mehren sich die Meldungen über Ausbaupläne von Atomkraftwerken in grenznahen Regionen zu Österreich. Slowenien hat einen neuen Reaktor in Krsko angekündigt, die Slowakei baut seit Jahren am Reaktor 3 in Mochovce. Den Vogel hat jüngst der tschechische Premier abgeschossen, als er sinngemäß sagte, sein Land werde notfalls auch gegen EU-Recht den Ausbau seiner Atomkraftwerke fortsetzen. Er will das AKW Dukovany um ein bis zwei neue Reaktoren erweitern. „Es ist wirklich besorgniserregend, mit welcher Selbstverständlichkeit die Atomkraft eine Renaissance in manchen Ländern feiert“, ist Österreichs ehemalige Umweltministerin Elisabeth Köstinger empört. „Wer glaubt, dass der Ausbau von Schrottreaktoren oder der Neubau von ganzen Kraftwerken eine Maßnahme für den Klimaschutz sein kann, der hat nicht verstanden, worum es hier geht“, so Köstinger.

Gerade die Ausbaupläne der Slowakei seien in besonderem Ausmaß kritisch. „Die Arbeiten an diesem Reaktor wurden vor 3 Jahrzehnten begonnen, hier wird auf einer 30 Jahre alten Technologie aufgebaut. Ich halte das wirklich für einen Wahnsinn und ein katastrophales Sicherheitsrisiko für Österreich“, so Köstinger. Seit 2012 wird die Inbetriebnahme dieses slowakischen Reaktors verschoben, immer aus Sicherheitsgründen. „Wenn sogar die eigene Atomaufsichtsbehörde der Slowakei feststellt, dass es Sicherheitsmängel gibt, dann frage ich mich, welche Beweise es sonst noch braucht, um endlich einen Schlussstrich unter dieses Projekt zu ziehen.“ Einen kleinen Etappensieg haben Köstinger und Umweltschützer nun errungen: Die Inbetriebnahme wurde erneut verschoben.

In ihrer Amtszeit als Ministerin hatte Köstinger durchgesetzt, dass internationale Inspektoren der IAEA das Kraftwerk inspizieren, um den Vorwürfen nachzugehen. „Insider haben von hunderten Mängeln berichtet, die riesige Sicherheitsrisken darstellen. Ich habe nicht das geringste Verständnis dafür, dass wenige Kilometer von unserer Grenze entfernt so ein Schrottreaktor in Betrieb geht.“

Selbst bei modernen Kraftwerken sieht Köstinger mehr Probleme als Vorteile. „Die Endlagerung von Atommüll ist in ganz Europa völlig ungeklärt, die Kosten dafür liegen bei hunderten Milliarden Euro. Es kann doch niemand glauben, dass das billiger oder nachhaltiger ist als erneuerbare Energien.“ Österreich habe hier eine Vorreiterrolle. „Wir sind eines der ersten Länder, das nicht nur vollständig auf Atomkraft, sondern bald auch auf Kohlestrom verzichtet. Das Kohlekraftwerk Dürnrohr wurde heuer schon abgeschaltet, im nächsten Jahr wird die letzte Anlage in Mellach die Stromproduktion aus Kohle einstellen.“

„Österreichs Weg ist ein anderer“, sagt die ehemalige Öko-Ministerin. „Wir wollen und werden bis zum Jahr 2030 100 Prozent unseres Stroms aus erneuerbaren Trägern erzeugen. Wasserkraft, Sonne, Windkraft und Biomasse. Das ist die Zukunft, an der wir arbeiten. Schon jetzt liegen wir bei 73 % Erneuerbaren-Anteil. Vor wenigen Wochen haben wir im Nationalrat 540 Mio. Euro Fördervolumen für die Erneuerbaren beschlossen, das wird Investitionen von einigen Milliarden Euro in diesem Bereich auslösen.“

In der nächsten Regierung will Köstinger ein neues Ökostrom-Gesetz umsetzen. „Jedes Haus soll ein kleines Kraftwerk werden, wir wollen auch Energiegemeinschaften erleichtern. Die öffentliche Hand muss hier auch mit gutem Beispiel vorangehen. Auf jedes öffentliche Gebäude gehört eine Photovoltaik-Anlage. So schaffen wir die vollständige Energiewende in den nächsten Jahren.“

„Es ist ein Wahnsinn, dass immer mehr Staaten Atomkraft unter dem Deckmantel des Klimaschutzes ausbauen wollen.“

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