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Dompfarrer Toni Faber
© Suzy Stöckl

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Von Dompfarrer Toni Faber

Familie früher und heute

„Family Matters“, die aktuelle Ausstellung im Wiener Dommuseum setzt exzellente Bildwerke der Geschichte mit expressiven zeitgenössischen Kunstwerken in Dialog. Eine herrlich gotische Madonna mit Kind wird einer hyperrealistischen alten Frau mit Kind von Sam Jink gegenübergestellt. Soll damit die biblische Sara, die noch mit 90 Jahren ein Kind empfing, gemeint sein? Oder ist das eine Anspielung auf den gesellschaftlichen Druck auf Frauen, in ihren jüngeren Jahren nicht auf Karriere zu verzichten und erst in späteren Jahren das, vielleicht sogar reproduzierte, Wunschkind zu bekommen? Streit und Gewalt, denen Kinder in der Familie leider viel zu oft ausgesetzt sind, werden in Maria Lassnigs Bild „Obsorge“ handgreiflich demonstriert.

An Vaterstatt ist auffallend oft eine Leerstelle. Ein zärtlicher Vater in der Gestalt des fürsorglichen Josef ist in der Kunstgeschichte selten anzutreffen. Ausnahme: Ein Werk von Diodato Massimo zeigt das Jesuskind sich vertraulich an die Schulter Josefs kuschelnd. Familienaufstellungen aus Zeiten des Barock und des Biedermeier sprechen eine andere Sprache: Da dominiert der herrschaftliche Vater das Bildgeschehen weitgehend, die Seinen um sich versammelt. Familienbilder in einer Fotowand von Katharina Mayer führen in die vielfältige Gegenwart: Patchwork Familien, alleinerziehende Mütter, ein gleichgeschlechtliches Adoptionspaar, das Kindern aus anderen Kulturen und Sozialschichten Gelegenheit gibt, Familie neu zu erleben.

Ob man will oder nicht: Die Herkunftsfamilie prägt einen fürs Leben. Und das gesellschaftliche Familienbild unterliegt dem Wandel der Zeit. Doch auch heute gilt: Familie hat Zukunft. Ist sie doch schon immer bunter als man denkt.

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