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Dompfarrer Toni Faber

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Von Dompfarrer Toni Faber

Sky of stones

Der Künstler Peter Baldinger hat sich von der namensgebenden Person unseres Domes und deren Schicksal für seine Installation Sky of stones (Himmel aus Steinen) inspirieren lassen: Der heilige Stephanus ist der erste christliche Zeuge, der gesteinigt wurde. Seit Aschermittwoch schwebt in rund sieben Meter Höhe über den Besuchern des Domes ein violett angestrahlter Himmel aus 1.332 Steinen. Deren Anzahl geht zurück auf die Proportionen, die in der Gotik die Grundlage für die Maße der Kirchen, also auch des Stephansdoms, bildeten. Addiert man die heilige Zahl 3 (Symbol für die göttliche Dimension) mit der 4 (für die irdische) erhält man die für die Fülle stehende Zahl 7. Die Gesamtmaße des Domes sind jeweils mit 3x37=111 Fuß umschreibbar. So breit ist der Dom. Seine Länge beträgt 3x111 Fuß, 4x111 Fuß ist der Südturm hoch. 3x4x111 ergibt 1.332, also auch die Zahl der Steine.

Bewegung, die verändert
Das diesjährige Fastentuch wurde ebenfalls von Peter Baldinger gestaltet: 612 Spiegelplättchen verstellen den Blick auf das Altarbild. Sie halten uns zugleich in verzerrter Form einen Spiegel vor: Lebst du das Leben, das dir möglich ist?
„Sehnsüchtig grüßt der, der ich bin, den, der ich sein könnte.“ Dieses Wort Dostojewskis ist mir besonders während der 40-tägigen Fastenzeit ein Anstoß, in Bewegung zu bleiben.
Verweilt man im Dom, bemerkt man, dass sich beim noch so kleinen Windhauch der Sky of stone bewegt und sich das wechselnde Licht auf den Spiegeln vor dem Altar laufend neu bricht. Veränderung steht an! Wie oft wird der wohlmeinende Wunsch ausgesprochen: „Bleib‘ wie du bist!“ Hoffentlich nicht! Hoffentlich verändern wir uns! Hoffentlich werden wir reifer und weiser! Gerade auch angeregt durch zeitgenössische Kunst in alten Räumen.

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