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Dompfarrer Toni Faber

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Anstöße
Von Dompfarrer Toni Faber

Weniger ist mehr

In Sachen Ordnung hat mein Schreibtisch ehrlich gesagt schon bessere Zeiten erlebt.
Dort stapeln sich ausgedruckte Emails, Post, Bücher, Fotos. Die begonnene Fastenzeit ist ein guter Zeitpunkt, „reinen Tisch“ zu machen. Die Beschäftigung mit der Konmarie-Methode habe ich schon mehrfach empfohlen bekommen. Sie wurde von der Japanerin Marie Kondo definiert und sorgt via Internet für einen wahren Ausmist-Hype. Mit manchen ihrer Leitlinien kann ich einiges anfangen: Vor dem Ordnen der Dinge gehe es vor allem um das Aussortieren. Denn vieles hat bereits ausgedient und seine Funktion erfüllt. Und doch ist das Aussortieren meist eine emotionale Angelegenheit. Unsere Erinnerungen und manchmal auch unsere Ängste spielen beim Loslassen eine große Rolle.

Botschafter des Wesentlichen
Immer wieder darf ich spirituellen Menschen begegnen, die vorleben, dass weniger oft mehr ist. Eine Österreicherin, die in den Orden der Mutter Teresa in Kalkutta eingetreten war, schwärmte mir einmal vor, wie schön es für sie wäre, nur mehr ein Paar Sandalen und zwei Saris zu besitzen: „Damit ist mehr Klarheit in mein Leben eingezogen, ich kann mich auf das Wesentliche konzentrieren: meinen Glauben und meine Hilfe für die Armen.“, sagte sie.
Marie Kondo schlägt vor, Kleidung, Bücher, Papiere und Erinnerungsstücke nach Kategorien aufzuhäufen und jedes Stück in die Hand zu nehmen. „Bereitet es mir wirklich Freude?“ soll das Kriterium sein, um über Verbleib oder Loslassen zu entscheiden.
Ein guter Ansatz für die Fastenzeit! Sich der Dinge, die man hat, bewusst zu werden, sie zu ehren und Überflüssiges weiterzugeben – damit auch andere sich daran freuen können. Weniger ist mehr. Mit diesem Leitsatz möchte ich meinen Schreibtisch ordnen.

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