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Dompfarrer Toni Faber

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Von Dompfarrer Toni Faber

Missbrauch

Studienergebnisse legen die Vermutung nahe, dass weltweit jede fünfte junge Frau und jeder zehnte junge Mann während des Heranwachsens Missbrauchserfahrungen machen muss. Ganz gleich, ob es sich um seelische oder physische Gewalt, Autoritäts- und Amts- oder sogar um sexuellen Missbrauch handelt, immer ist es eine traumatische Erfahrung.
Wiens Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, hat eine klare Linie vorgegeben, wie die österreichische Kirche damit umzugehen hat. Vom Schicksal eines Missbrauchsopfers bewegt hat er kürzlich die ehemalige geistliche Schwester Doris Wagner zu einem persönlichen Gesprächsaustausch im Bayrischen Fernsehen eingeladen. Klare Analysen und daraus folgende Zukunftsmaßnahmen, wie Kardinal Schönborn sie skizzierte, fanden allgemeine Anerkennung. Der zuständige Redakteur war berührt und betroffen, wie er der tief verletzten Frau Zuwendung und die Zuversicht vermittelt hat, es werde sich, gerade auch durch ihr Buch zum Thema, weiter etwas in der Kirche zum Besseren verändern. Und damit dann hoffentlich in der ganzen Gesellschaft. Und in der ganzen Welt.

Mehr als ein Zeichen
Jeder, der einmal ein Opfer vor sich hatte, das endlich genügend Vertrauen gefunden hatte sich darüber zu äußern, bekommt Einblick in die Abgründe des Menschlich-Unmenschlichen bei den Tätern. Die Opfer hören Drohungen wie: „Wenn du irgendwem darüber etwas sagst, es wird dir niemand glauben. Und wenn du es trotzdem tust, dann werde ich mich umbringen, und du wirst daran schuld sein!“
Ende Februar treffen sich alle Vorsitzenden von Bischofskonferenzen beim Missbrauchsgipfel in Rom. Wie wichtig für die Kirche!
Die ehrliche Aussprache mit den Betroffenen und angebotene Wiedergutmachung machen das Leid nicht ungeschehen, können aber zumindest zeichenhaft helfen.

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