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Dompfarrer Toni Faber

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Von Dompfarrer Toni Faber

Das Gemeinsame vor dem Trennenden

Am 100. Geburtstag der Republik, dem 12. November, war in der Staatsoper großes Feiern angesagt. Die dabei thematisierte Geschichte der ersten Republik hat alle sehr nachdenklich gestimmt. Unter Mühen und Wehen aus dem aufgelösten Vielvölkerstaat entstanden währte sie leider in diesen bewegten Zeiten nicht lange in Frieden. Es folgten die Wirren der Zwischenkriegszeit. Das Gegeneinander der paramilitärischen Verbände der Parteien führte in den autoritären Ständestaat und schließlich in die Katastrophe der NS-Herrschaft und der Shoa. Nach dem Krieg musste die Freiheit mühsam errungen werden. Aus den ehemaligen politischen Gegner wurden – durch die gemeinsame Erfahrung der Unterdrückung – nun aufeinander verwiesene Partner, die wussten: Ohne den anderen geht es nicht.

Ein Ruck

Wie sehr wünschen wir uns auch heute wieder den Geist und die Kultur des Miteinander! Beides muss immer neu angestrebt und erworben werden, wenn die Staatsprobleme nachhaltig gelöst werden sollen. In großer Einmütigkeit haben der Bundespräsident, der Bundeskanzler und sein Vize gemeinsam mit dem Präsidenten des Nationalrates und dem Vorsitzenden der Landeshauptleutekonferenz beim Festakt das Gemeinsame vor das Trennende gestellt. Der Autorin Maja Haderlap war es unbenommen, einen kritischeren Blick auf die politische Realität zu werfen.

Im wahrsten Sinne eine erhebende Feierstunde! Bei der von den Wiener Philharmonikern intonierten Bundeshymne zu Beginn haben sich alle von den Sitzen erhoben, bei Beethovens Ode an die Freude am Schluss ging dieser Ruck erneut durch die Reihen.

Ja, aufstehen ist angesagt, um das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen! Den Ruck der Feierstunde wünsche ich mir oft in unserem Land, auch in den Niederungen der alltäglichen Arbeit.

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