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Der Josefstädter Schauspieler, Intendant und Sänger Professor Adi Hirschal beim Schmöckern von „Das Wien“
© Selina de Beauclair

Interview | Leute

Adi Hirschal: „Alle Künstler sind ein bisschen links!“

Ein erzählender und singender Entertainer: Professor Adi Hirschal. Im Interview mit „Das Wien“ wünscht sich der charmante Tausendsassa, ein konstruktives Miteinander.

70 Jahre hat er bereits auf dem Buckel und unendlich viele Geschichten auf Lager. 1948 in Tirol geboren, durch Vaters Beruf als Zahnarzt mit drei Jahren nach Linz übersiedelt, mit 10 ging es für die Sängerknaben nach Wien und mit denen auf Welttournee. Disziplin, Konsequenz, Ehrgeiz – das ideale Rüstzeug für seinen Werdegang wurde ihm im Knabenchor mitgegeben. Adi Hirschal liebt das Leben, und seine Frau (Micha)Ela seit 40 Jahren. Zwei erfolgreiche, erwachsene Kinder machen die Bilderbuchfamilie perfekt. Seit 15 Jahren ist er kreativer Intendant des Wiener Lustspielhauses, seit acht Jahren vom Laxenburger Kultursommer.

Das Wien: Sie sind Sänger, Schauspieler, Kabarettist, Intendant und Regisseur – auf wie vielen Stühlen kann ein Mensch sitzen?
Hirschal: Ich sitze ja nie lang auf einem Stuhl, ich gehe von Stuhl zu Stuhl, setze mich bisschen hin. (lacht) Nein, das macht man nicht, weil es viel ist, sondern weil man es gerne tut und versucht in jeder Sparte immer das Optimum zu erreichen. Was zu viel ist, das wird halt dann auch nicht gemacht. Es gibt ja so viele Stühle die unbesetzt sind.

Das Wien: 70 Jahr, volles Haar, echte Zähne, keine sichtbaren Prothesen – Ihr Geheimrezept?
Hirschal: Wollen Sie es nachprüfen? Sie können ja mal ziehen, wenn Sie möchten. (lacht) So ein kleiner Verdächtiger. Also zumindest sehen tut man nix, wenn dann gut gemacht. Alles echt! Es ist der Vorteil guter Gene, also da kann ich nicht viel dafür, sagen wir so. Und ich habe eine Frau, die auf mich schaut. Sie zwingt mich zur Pflege.

Das Wien: Apropos Frau: Sie sind seit bald 40 Jahren verheiratet. Sehr ungewöhnlich in Ihrer Branche eine derart lange Ehe zu führen.
Hirschal: Ich habe nie aufgehört sie zu lieben. Auch in den schwierigen Zeiten, also es hat immer diesen einen Moment gegeben, wo sie mich berührt hat, wo ich merke, da fängt mein Herz … Ich habe sie nie aufgehört zu lieben, ja – ich kann es nicht anders ausdrücken.

Das Wien: Auf der Bühne begegnet man vielen Persönlichkeiten, muss auch mit denen in der Rolle womöglich schmusen etc. Hat es da nie geknistert? Wie treu und monogam kann man sein?
Hirschal: Aber ja, es knistert immer und allemal und ich bin ja auch nicht einer, der die Augen niederschlägt, wenn er eine schöne Frau sieht, auch einen schönen Mann. Also ich meine, ich bin an Menschen interessiert. Und natürlich ist mein Leben nicht fad und langweilig und es knistert allemal. Aber wie sagt man: man kann sich den Appetit holen, aber essen tut man zu Hause.

Das Wien: Seit 4 Jahren tragen Sie den Ehrentitel Professor. Was will man mehr?
Hirschal: Es ist ein Zeichen von Anerkennung dessen, was man gemacht hat, so sehe ich es und da bin ich nicht sehr – wie soll ich sagen – nicht kokett, sondern ich finde es super. (lacht) Aber es gibt einen launigen Wiener Ausspruch, ich glaube er ist von einem gewissen Ernst Kein, der gesagt hat: Machen Sie sich nichts draus, Professor sein, das kann bei uns in Wien jedem passieren. Also ich soll mich nicht kränken und ich kränke mich nicht.

Das Wien: Haben Sie Probleme mit dem Älterwerden? Mit der Zahl 70?
Hirschal: Ja! Ich liebe das Leben und 70 Jahre habe ich schon konsumiert. So lange werde ich nicht mehr da sein, wie ich bereits gelebt habe. Natürlich denkt man ab und zu über die Endlichkeit des Lebens nach und das sind spannende Selbstgespräche, die da stattfinden.

Das Wien: Wie tun Sie sich mit dem neuen Bürgermeister Ludwig und Kulturstadträtin Kaup-Hasler?
Hirschal: Gut. Das Theater gehört ja nicht mir, sondern ich mache das ja für die Leute. Ich kriege Steuergeld und haue es durch den Durchlauferhitzer namens Adi Hirschal und verkaufe heiße Ware anschließend, die ankommt. Was die Politik damit macht, das liegt nicht in meinem Ermessen. Das Theater ist ja nicht da für eine bestimmte Zielgruppe, da gehen alle rein. Die kommen von der Per-Albin-Hansson-Siedlung und Floridsdorf, oder Ottakring und vom 1. Bezirk und das durchmischt sich alles und ist insofern eine tolle Geschichte. Und wie ich mit dem neuen Bürgermeister zurechtkomme? Was habe ich mit dem neuen Bürgermeister zu tun? Was hat er mit mir zu tun, er hat sicher andere Sorgen, als sich um den Adi Hirschal zu kümmern.

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