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Bleibt uns Nepp und seine Partytruppe doch erhalten?

Eines muss man der FPÖ lassen – sie liefert von allen Parteien die beste Show und sorgt für ständige Aufreger. Freiwillig oder unfreiwillig. Bei Journalisten, bei den anderen Parteien und bei den Wählern. Und sie sorgt für Rekorde. Sowohl bei Siegen, als auch bei Niederlagen. Diesmal war es ein Minusrekord. Minus 23 Prozent. Das muss man erst einmal schaffen! Das ist mehr Minus als etwa die ÖVP an Plus gemacht hat. Respekt! Damit hat sich FPÖ-Spitzenkandidat Dominik Nepp den Titel „Minusmann“ für vermutlichlange Zeit gesichert. Umso unverständlicher, dass ihm die Wiener Parteiführung in der ersten Sitzung nach dieser krachenden Wahlniederlage, einstimmig das Vertrauen ausgesprochen hat. Das mag der im dritten Lager verhafteten Affinität zu historischen Dramen geschuldet sein, wie wir sie aus blutigen Wagner-Opern kennen. Mit rationalen Überlegungen hingegen hat das wenig zu tun. Wohl eher mit der Angst um die eigenen Posten. Denn viele davon hat die FPÖ nach dieser Niederlage nicht mehr zu vergeben. Daher wohl die Nibelungentreue zu Wahlverlierer Nepp.

Doch schon bald tagen weitere Gremien der FPÖ. Ob diese ebenfalls der Meinung sein werden, dass Dominik Nepp einstimmig das Vertrauen ausgesprochen werden soll, darf stark bezweifelt werden. Sind doch bereits in Oberösterreich, Niederösterreich und Tirol vereinzelt kritische Stimmen aus der FPÖ zu hören. Aber wie heißt es so schön – nach der Wahl ist vor der Wahl. Und „The Show must go on“. Wir dürfen uns also weiterhin auf eine unterhaltsame Vorstellung aus der FPÖ-Kuriositätenküche freuen.

Andere Kuriositäten haben uns bis vor kurzem die Grünen geliefert. Deren Chefin Birgit Hebein hat nichts ausgelassen, um die Wienerinnen und Wiener zu verblüffen. Das freilich in einem erstaunlichen Tempo. Fast im Wochenrhythmus hat sie einen Schildbürgerstreich nach dem anderen serviert. Angefangen bei völlig sinnlosen Pop-Up-Radwegen neben regulären Radwegen, über das sündteure Gürtel-Pool, bis hin zur Forderung nach Ambulanzen für Tauben und einer autofreien Innenstadt, hat sie einen Alleingang nach dem anderen geliefert. Das hat ihrem Koalitionspartner SPÖ nicht immer gefallen. Der sonst gütige und nachsichtige SPÖ-Bürgermeister Ludwig musste bei der autofreien Innenstadt sogar die Notbremse ziehen und ein Machtwort sprechen. Ob sich das positiv auf die kommenden Koalitionsgespräche auswirken wird, ist eher unwahrscheinlich. Zu groß war der Ärger vieler SPÖ-Funktionäre über die Schnapsideen der Grünen-Chefin. Man kann den Koalitionspartner nicht ständig vor den Kopf stoßen und dann auch noch erwarten, dass dieser dazu applaudiert. Genau das hat Hebein aber gemacht. Damit hat sie ihre Partei, aber besonders sich selbst keinen Gefallen gemacht. Ludwig könnte nämlich darauf bestehen, dass es eine Koalition mit den Grünen nur ohne Hebein gibt. Wenn er das macht, dann haben es auch die Grünen lustig.

Heinz Knapp,
Herausgeber


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