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Türkises Fiasko

Brandstetter weg, Schmid weg, Hofer weg. Derzeit jagt ein Rücktritt den anderen. Und es darf vermutet werden, dass zeitnah noch weitere folgen werden. Heißester Kandidat dafür ist derzeit wohl der bereits wochenlang suspendierte Sektionschef im Justizministerium Christian Pilnacek. Sind Brandstetter, Schmid und demnächst wohl auch Pilnacek über veröffentlichte Chats gestolpert, so hieß der Stolperstein für Norbert Hofer Herbert Kickl.

Dieser ist nun endlich am Ziel. Parteichef der FPÖ. Jetzt muss Kickl allerdings liefern. Jetzt muss er die FPÖ wieder auf die Erfolgsspur bringen. Jetzt muss er performen. Denn sonst wird das Ganze für ihn nur ein kurzes Gastspiel an der Spitze der Freiheitlichen. Ein Glück, dass Kickl nicht so abergläubisch ist, wie sein Vorvorgänger HC Strache, der für Hokuspokus aller Art sehr anfällig gewesen sein dürfte. Vom Scharmanen bis zum Energetiker war da alles drinnen. So wie es aussieht, wird Herbert Kickl der 13. Bundesparteiobmann der FPÖ. Oder wie es Strache formuliert hätte: Parteiobmann 12a.

Dieser Parteiobmann 12a hat eine schwere Last zu tragen. Denn er hat es mit seiner Politik in der Hand, die Geschicke des Landes nachhaltig zu bestimmen. Er muss nicht nur die FPÖ wieder einen und zu einer schlagkräftigen Oppositionspartei machen, er muss auch mit einem Auge auf die bundespolitische Gesamtsituation blicken. Denn wenn der Rücktrittsreigen in der türkisen ÖVP so weiter geht wie bisher, werden früher oder später auch Kurz, Blümel und Co. folgen. Und dann werden die Karten in Österreich komplett neu gemischt.

Kickl sollte daher eine umsichtige Oppositionspolitik betreiben, die künftige Koalitionspartner nicht von Beginn an verstört und verschreckt. Also ganz anders, als er die vergangenen Monate über agiert hat. Er müsste sich vom „Krawall-Kickl“ hin zum „Elder Statesman“ entwickeln. Mit 52 Jahren und jahrzehntelanger Politerfahrung könnte ihm dieser Sprung sogar gelingen. Schließlich hat er sein Ziel FPÖ-Parteichef zu werden erreicht. Da kann man das Ganze schon einmal gelassener angehen.

Es wäre aber nicht Herbert Kickl, wenn er sich von irgendwelchen Zeitungskommentatoren etwas einreden lassen würde. Das versuchen schon „Andere“ in seinem Umfeld. Erstaunlicherweise hat Kickl in ersten Statements nach seiner Nominierung durchklingen lassen, empathisch auf die Bedürfnisse der Bevölkerung eingehen zu wollen. Das überrascht Kenner seiner Berater einigermaßen, wusste man doch in seinem Büro vor Kurzem nicht einmal wie man das Wort schreibt, geschweige denn was es bedeuten soll.

Der gewiefte Stratege Kickl hat sicher seinen Machiavelli gelesen und weiß, dass der „Fürst“ all jene über die Klinge springen lassen sollte, die ihn an die Macht gebracht haben. Seinen und den Empathiewerten seiner Partei würde es jedenfalls guttun, wenn er das beherzigen würde. Bevor Parteichef 12a darangeht ganz Österreich mit seinen neu gewonnenen empathischen Fähigkeiten zu verblüffen, muss er erst einmal die Skeptiker in den eigenen Reihen von sich überzeugen. Und derer gibt es genügend. Viele honorige Alt-FPÖler waren entsetzt über Kickls Auftritte bei diversen Corona-Demos. Vor allem die Anbiederung an Verschwörungstheoretiker, Spinner, Corona-Leugner und den Bodensatz der Gesellschaft hat viele vor den Kopf gestoßen. Auch wenn Kickl dort offenbar sein Erweckungserlebnis als Volkstribun erfahren hat, steht das in keiner Relation zu den dadurch verschreckten gemäßigten und liberalen FPÖ-Wählern, die der Partei den Rücken gekehrt haben.

Kickl hat also, solle er am 19. Juni tatsächlich zum 13. Obmann gewählt werden, einiges zu tun. Denn ohne sichtbaren und spürbaren Erfolg wird ihn das gleiche Schicksal ereilen, wie seinen Vorgänger. Bis dahin warten wir allerdings gespannt auf den nächsten Rücktritt bei der türkisen ÖVP. Denn der kommt sicher.


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